Profis ermahnen Piratenpartei. Meinungsforscher Güllner: "Piraten brauchen vernünftiges Spitzenpersonal" / Publizist Spreng: "Schlömer ist Fehlbesetzung" / Blogger Lobo: "Gezielt die Schnauze halten".
Forsa-Chef Manfred Güllner hat die Piratenpartei für ihre Orientierungslosigkeit kritisiert. "Die Piraten wissen nicht, für wen sie Politik machen wollen. Das ist fatal", sagte er SPIEGEL ONLINE. "Exoten wie der politische Geschäftsführer Johannes Ponader wirken auf viele Anhänger verstörend", so der Wahlforscher. "Was die Piraten brauchen, sind vernünftige Spitzenleute, die im richtigen Moment erfrischend auftreten und eine Handvoll Kernziele gut erklären können." Die Konzentration auf Inhalte sei hingegen überbewertet, fügte Güllner hinzu: "Endlose Programmdebatten locken kurzfristig niemanden an die Wahlurne."
Auch der Berliner Publizist Michael Spreng sieht die junge Partei in Schwierigkeiten. "Die Piraten befinden sich im Abstiegskampf. Jetzt helfen nur noch Notfallmaßnahmen", so Spreng. Der frühere Wahlkampfmanager riet den Piraten, ihre frühere politische Geschäftsführerin Marina Weisband zur Spitzenkandidatin machen. "Sie war das kluge, sympathische Gesicht der Piraten." Den Parteichef Bernd Schlömer bezeichnete Spreng als "Fehlbesetzung".
Der Politologe Hans Herbert von Arnim sieht noch viel ungenutztes Potential bei den Piraten. "Ihre Stärke ist ihre Unbefangenheit, noch können sie die Fehler der anderen genüsslich aufspießen", so von Arnim. "Wenn sie in den Bundestag kommen wollen, muss das erstmal so bleiben. Anstatt krampfhaft bei den Großen mitspielen zu wollen, sollten die Piraten ihren Rebellenstatus pflegen", fügte er hinzu.
Der Blogger und Netzaktivist Sascha Lobo bescheinigt den Piraten ein Kommunikationsproblem. "Langfristig lösen kann die Partei ihre Schwierigkeiten nur, wenn der Durchschnittspirat seine soziale Onlinekompetenz auf das Niveau seiner technischen steigert". Die Piraten würden "für ihre Andersartigkeit gewählt und ihr Versprechen der digitalen Nähe zum Bürger." Das sollten die Piraten "offensiv, aber charmant in der Öffentlichkeit vortragen. Und ansonsten gezielt die Schnauze halten", sagte Lobo SPIEGEL ONLINE.
In Umfragen erreichen die Piraten Werte um die fünf Prozent, der Einzug in den Bundestag ist ungewiss. SPIEGEL ONLINE befragte insgesamt zehn Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Netzszene zur Piratenpartei.



