Experten schreiben Krisenländer ab. Die strukturelle Arbeitslosigkeit in den Randstaaten bleibt auf Jahre hin hoch – vor allem Junge werden abgehängt.
Die hohe Arbeitslosigkeit in den Krisenstaaten Europas wird sich nach Ansicht von Experten zementieren. Nach Berechnungen der Internationalen Arbeitsorganisation (Ilo), die der Financial Times Deutschland (Mittwochsausgabe) vorliegen, hat die Rezession verheerende Auswirkungen auf die dortigen Arbeitsmärkte. Selbst wenn sich die Konjunktur irgendwann wieder erholt, dürften die Erwerbslosenzahlen nicht mehr auf Vorkrisenniveau sinken. Das berichtet die Financial Times Deutschland in ihrer Mittwochsausgabe.
Allein in Spanien lag die strukturelle Arbeitslosigkeit – also die Quote, aus der konjunkturelle Einflüsse herausgerechnet sind – zu Ende 2011 demnach bei über 16 Prozent. Das ist rund ein Drittel höher, als noch vor der Finanzkrise 2007. Griechenlands bereinigte Erwerbslosenrate liegt bei fast 13 Prozent, in den baltischen Staaten hat die Quote gar um die Hälfte zugelegt – auf über 12 Prozent. Tendenz: überall steigend.
Damit stehen vor allem die Südländer der EU vor einem gewaltigen Problem: Ihre Staaten sind für Investoren inzwischen derart unattraktiv, dass sich in den kommenden Jahren kaum Besserung am Arbeitsmarkt ergeben wird. „Die Trendarbeitslosigkeit dürfte in den Euro-Krisenländern in der nahen Zukunft weiter steigen“, sagte Ekkehard Ernst, Leiter der Ilo-Prognoseabteilung, der FTD.
Die Berechnung der strukturellen Arbeitslosigkeit dient vor allem dazu, festzustellen, in welcher Verfassung der Arbeitsmarkt langfristig ist. Nach den jetzt vorgelegten Zahlen werden künftig weniger Menschen einen Job finden, selbst wenn die Volkswirtschaften wieder ähnlich stark wächst wie vor 2007. „Die Finanzkrise belastet das Beschäftigungswachstum langfristig – sowohl was den Einbruch bei der Schaffung neuer Stellen während der Krisenjahre als auch die Erholung danach angeht“, so Ernst.
Betroffen sind vor allem junge Menschen. In vielen südlichen Ländern sind zeitlich befristete Arbeitsverträge verbreitet, junge Beschäftigte können vergleichsweise schnell entlassen werden. Viele Ökonomen begrüßen daher den Vorstoß der EU-Kommission für eine Jobgarantie in der Euro-Zone, den Sozialkommissar László Andor am Mittwoch präsentieren will. „Das ist ein wichtiger Weckruf – selbst wenn noch unklar ist, wie es umgesetzt wird“, sagte Clemens Fuest, Ökonom an der Uni Oxford der FTD.



