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Gesundheitssystem pleite

Charité-Chef Einhäupl hält das Gesundheitssystem für nicht mehr finanzierbar. „Wir werden auf Solidarität verzichten müssen“.

 
Der Chef der Berliner Charité, Karl Max Einhäupl, hält das derzeitige Gesundheitssystem auf Dauer für nicht mehr finanzierbar. „Wir werden auf Solidarität ein Stück weit verzichten müssen“, sagte Einhäupl in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (F.A.S.). Die steigenden Innovationskosten seien auf Dauer nicht mehr zu bezahlen. „Eines Tages könnte das dazu führen, dass es zwei verschiedene Klassen von Patienten gibt: Die Menge, die nur die Basisversorgung erhält, und die wenigen, die sich privat eine Bessere Versorgung leisten können“, sagte der Chef der europaweit größten Klinik. Entwicklungen, die in der Zahnmedizin schon vollzogen worden seien, würden vermutlich auch in anderen Bereichen der Medizin unvermeidbar sein. „Es könnte zu einer Entsolidarisierung des Gesundheitssystems kommen“, sagte Einhäupl.
 
Die Gesellschaft müsse sich überlegen, wie der Schaden für die Solidarität möglichst gering gehalten werde. „Die Entscheidung, wer was bekommt, darf nicht dem einzelnen Arzt überlassen werden“, mahnte Einhäupl. Das würde das Vertrauensverhältnis zwischen behandelndem Arzt und Patienten sehr belasten. „Wir brauchen von Dritten entwickelte Leitlinien, damit der Arzt nicht in diesen Konflikt kommt“, sagte Einhäupl der F.A.S.
 
Dem widersprach der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag, Heinz Lanfermann. „Die These, es müsse auf Solidarität ein Stück weit verzichtet werden, es werde aber der Schaden für die Solidarität geringer, wenn es statt der Entscheidung einzelner Ärzte von Dritten entwickelte Leitlinien gebe, ist nicht zutreffend“, sagte Lanfermann der F.A.S. Das würde schon daran scheitern, dass weder der Bundestag noch ein berufenes Gremium in der Lage wären, Grenzlinien zwischen zugelassenen und zu verweigernden Behandlungen zu ziehen.
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