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Im 55, St. Tropez

Der "55" in Saint Tropez ist der berühmteste Strandclub der Welt. Einlass haben nur die Superreichen und Berühmten. Stars, Adelige und Milliardäre drängeln und speisen in der Mutter aller Strandbars. Doch auch ansonsten ist das Fischerdorf an der Cote D'Azur immer eine Reise wert.

 

 

von Michael Mross

Cote D'Azur, St. Tropez, Süd-Frankreich. An keinem anderen Punkt des Globus ist so viel Geld auf so engem Raum versammelt. Sie kommen aus der ganzen Welt, die Reichen, die Schönen und die Superreichen. Eigener Jet, Yacht, Helikopter sind Voraussetzung, denn in dem kleinen Fischernest ist überall Stau.  Stephen Schwarzman von Blackstone hat sich hier ebenso niedergelassen wie der Europa-Chef von Goldman Sachs, Alexander Dibelius. Wer etwas auf sich hält hat eine Bude in St. Tropez.

Und alle treffen sich Mittags im "55", dem berühmtesten Strandclub der Welt. Geld spielt keine Rolle. Alles ist 10 mal teurer. Besser ist es deshalb nicht. Im Gegenteil. Es ist schon erstaunlich, wie man selbst als Milliardär unter fast menschenunwürdigen Umständen dicht gedrängt in so einer Strandbar auf unbequemen, kleinen Stühlen essen fasst. Denn das "55" ist immer proppenvoll und sehr laut.

"Schau mal, da hinten sitzt der reichste Mann Englands" - sagt mir mein Bekannter. Der Arme wurde an den Katzentisch verfrachtet, sitzt hinten in der Ecke und dennoch sichtlich erleichtert, Einlass gefunden zu haben. Denn Geld allein öffnet nicht die Pforten ins "55", man braucht auch noch Beziehungen. Denn der Laden ist immer bis auf den letzten Schemel ausgebucht.

Buntes Treiben in der Strandbar. Alle schielen auf die Nachbartische. Sitzt dort nicht…? Draußen eine Ansammlung von Rolls Royce, Bugattis, Bodyguards, drinnen ein Gedränge, als wenn es was umsonst gibt. In den türkisen Fluten ankern die Mega-Yachten. Kleine Boote bringen das Fress-Gut ans Ufer.


Der zusammengepferchte mümmelnde Menschenauflauf im "55" ist gut durchmischt von schillernden Stars und Modells, oder solche, die sich dafür halten, - manche an der Seite eines beleibten Sacks. Der Altersunterschied bei Paaren ist nirgendwo größer. Und auch gewichtstechnisch sind die Differenzen unübertroffen. Übergewicht stinkt nicht. Hauptsache das Konto stimmt und der Alte hat 'ne Yacht, die mindestens 30 Meter lang sein muss. Alles darunter bedeutet in St. Tropez bittere Armut.

Weibliche Schöpfungskollegen über 30 haben in St. Tropez dagegen schlechte Karten. Hier gilt: Je reicher der Kerl, desto jünger die Frau. St. Tropez ist gleichzeitig der lebendige Beweis, dass es auf der Welt nur schlechte Schönheitschirurgen gibt. Die etwas älteren Kaliber versuchen mit aller Gewalt gegen das Joch des Verfalls zu kämpfen: vergeblich. Die meisten sehen aus, als wurden sie nach einem Autounfall durch die Scheibe geschleudert. Die Gesichter geliftet, gespritzt, aufgepeppt - und das, was übrig blieb, mühsam übermalt mit schrecklicher Schminke.


Szenenwechsel. St. Tropez Hafen. Hier herrscht Wettbewerb: "Wer hat den größten?" - Keine Yacht unter 100 Millionen. Hier ist man reich, hier darf man's sein. Deshalb ist das kleine Fischerdorf an der Cote auch so beliebt bei den Betuchten. Während auf dem Upper-Deck sanft der Dom Perignon perlt, schieben sich unten am Kai die Sklaven entlang und recken gierig ihre Köppe.

Mein Tipp: Wer durch St. Tropez schlendert, sollte immer ein Bündel Scheine dabei haben - am besten 500ter. Denn Geld spielt hier keine Rolle und man ist es schnell los.

Für den Milliardär dagegen ist vorgesorgt, denn auch er will schließlich shoppen. Dafür gibt es das Geschäft "The Billionaire".  Nomen est Omen, denn in dem gut bewachten Nobel-Outlet gibt es praktisch nichts unter 1000 Euro. Jedenfalls nicht ganz. Ich habe immerhin einen Gürtel aus Krokodilleder für 970 Euro entdeckt. Das passende Paar Schuhe ist für 5000 Euro im Angebot.

Nebenan der Weinladen. Ein Chateau Margaux 2007 für 3960 Euro. Immerhin 3 Liter fasst die Pulle und der Preis scheint auch knapp kalkuliert. Das Preis- Flüssigkeitsverhältnis ist da bei Champagner schon besser: Eine 15 Liter Magnum Pommery kostet knapp 2000 Euro.

Na denn: Prost!

 

Live-Report aus dem Club 55 - die Aufnahmen entstanden um 12 Uhr Mittags. Um 13 Uhr ist der Laden voll und Fotos sind nicht mehr erlaubt:

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