EZB-Bankenaufsicht sieht Geschäftsmodelle einiger deutscher Banken mit Skepsis. "Mittel- und langfristig werden manche Geschäftsmodelle in eine kritische Situation geraten“
Vor dem Hintergrund niedriger Zinsen sieht die Europäische Zentralbank (EZB) einige Geldinstitute in Deutschland vor wachsenden Schwierigkeiten. „Dazu kommt, dass gerade in Deutschland der Konkurrenz- und Preisdruck zwischen Banken besonders stark ist. Mittel- und langfristig werden manche Geschäftsmodelle daher in eine kritische Situation geraten“, sagte EZB-Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger der WirtschaftsWoche. Sie fügte hinzu: „Wir müssen verhindern, dass Banken allein mit riskanteren Geschäften oder Einsparungen wie etwa mit Stellenabbau im Risikomanagement auf die niedrigen Zinsen reagieren.“
Die Bankenaufsicht reagiere auf ein erhöhtes Risiko in der Bilanz von Kreditinstituten mit der Forderung nach zusätzlichen Wertberichtigungen oder mehr Eigenkapital. „Außerdem fordern wir, dass Banken ihre internen Kontrollen und das Risikomanagement verbessern, etwa indem sie mehr Personal für diese Aufgaben beschäftigen“, unterstrich Lautenschläger. Für die Bankenaufsicht sei entscheidend, dass die Institute nicht nur Geschäft hereinholen, sondern die damit einhergehenden Risiken auch angemessen überwachten.
Sabine Lautenschläger sitzt seit Anfang 2014 als einzige Frau im mächtigen Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB), gleichzeitig ist sie Vize-Chefin der neuen Bankenaufsicht bei der EZB. Davor war sie Vizepräsidentin der Deutschen Bundesbank und oberste Bankenaufseherin bei der deutschen Finanzaufsichtsbehörde BaFin.



