Wahre Werte Depot: Telebörsen-Ikone Raimund Brichta und sein Team geben Teil-Entwarnung. Nachdem die Experten zu Jahresbeginn alles rausgeworfen haben (bis auf Gold) blasen sie jetzt zum Teileinstieg. Prognose: Tief erreicht, Erholung an den Börsen wahrscheinlich.
Von Raimund Brichta
In den vergangenen Wochen habe ich mehrfach darauf hingewiesen, dass die allgemeine Kurstalfahrt an einer Stelle immer wieder zum Stillstand kommt: Die Bären schafften es nicht, die führenden US-Indizes nachhaltig unter ihre letzten Tiefststände zu drücken. Es gelang ihnen allenfalls vorübergehend im Laufe einer Börsensitzung oder in der vergangenen Woche auch minimal zum Börsenschluss. Stets folgte daraufhin aber eine merkliche Erholung.
Im Prinzip ergab sich im S&P 500, dem Trendsetter schlechthin, damit ein vierfacher Test ein und desselben Kursniveaus: Das von August, September, Januar und Februar. Starke Kräfte scheinen es immer wieder zu verteidigen.
Beim DAX gelang den Bären in der vergangenen Woche zwar der Durchbruch nach unten, aber dieser Bruch wurde per gestern wieder zunichte gemacht. Ebenfalls ein Zeichen der Widerstandskraft.
Dazu kommt, dass die saisonal günstige Zeit für fallende Kurse in zirka 3 Wochen ausläuft. Wir könnten in der vergangenen Woche also Tiefststände gesehen haben, die längere Zeit Bestand haben.
Zugegeben: Was es nicht gab, war ein eindeutiger Ausverkauf, ein Kapitulationstag der Bullen, wie wir ihn am 24. August gesehen hatten. Deshalb gestaltet sich die Situation dieses Mal etwas diffiziler. Aber auch das gehört zum Börsengeschehen, das eben nicht immer so einfach vorauszuberechnen ist.
Hinzu kommt noch etwas: Wie mehrfach beschrieben, sehe ich die prekäre Lage einer größeren Zahl an Schuldnern in den USA als einen Hauptfaktor an, der hinter dem Kursrutsch der letzten Wochen steht. Diese prekäre Lage kann sich dadurch auflösen, dass es zu einem oder mehreren großen Unfällen kommt, oder dass die Notenbank einschreitet und damit das Schlimmste verhindert.
Inzwischen gibt es vermehrt Anzeichen, dass Letzteres der Fall sein könnte. Nicht nur, dass die US-Notenbank hinter den starken Kräften stehen könnte, die den Durchrutsch an der Wall Street verhindert haben. Nein, inzwischen gibt es auch Stellungnahmen von Notenbankern, die darauf hindeuten, dass sie von den Märkten „weichgeklopft“ wurden.
Ein Beispiel dafür sind die jüngsten Äußerungen von James Bullard, Mitglied des US-Zentralbankrats und eigentlich eher ein Falke in diesem Gremium.
Durch solche Äußerungen erhält das weltweite Hurrageschrei der internationalen Journallie, das die Mini-Leitzinserhöhung vom Dezember begleitet hatte, einen besonders peinlichen Nachgeschmack. Mir war von vornherein klar, dass die Fed früher oder später zum Innehalten gezwungen sein wird. Nun scheint dies eben früher der Fall zu sein.
Ich betone: Das heißt nicht, dass eine große Finanzkrise verhindert wird. Aber es kann bedeuten, dass sie aufgeschoben wird. In mein persönliches Kalkül passt es ohnehin besser, wenn diese Krise erst in zwei, drei Jahren auftaucht und nicht schon jetzt. Aber ich weiß natürlich, dass die Finanzmärkte kein Wunschkonzert abspielen, sondern dass man sich stets danach richten muss, welche Töne sie vorgeben.
Unsere Aktion im Einzelnen
Dies alles vorausgeschickt, erscheint es mir an der Zeit, dass wir unsere Sicherheitsgurte im Wahre-Werte-Depot nun wieder lockern.
Konkret bedeutet dies, dass wir zu heutigen (18.2.) Eröffnungskursen zunächst die Hälfte unserer geplanten Zielgrößen wieder ins Depot gehievt haben. Das heißt, wir haben mit jeweils zirka 2.500 Euro Depotwert wieder einen ersten Fuß in die Tür gesetzt. Ob und wann wir die zweite Hälfte investieren, machen wir vom Marktverlauf der nächsten Wochen abhängig.
Die Wiederaufnahme betrifft alle Werte, die wir am 4.1. aus dem Depot geworfen hatten, bis auf einen: INDUS. Da diese Aktie inzwischen einen Aufwärtstrend gebrochen hat, wollen wir hier die weitere Entwicklung erst einmal abwarten.
Gleichzeitig haben wir heute zur Eröffnung die beiden Werte mit jeweils ca. 2.500 Euro ins Depot gehievt, die wir aufgrund von Depotvorschlägen unserer Leser in den vergangenen Wochen für gut befunden hatten: Novo-Nordisk und Hormel Foods.
Ebenfalls haben wir mit dem Lyxor-DAX-ETF unsere „Marktposition“ wieder zur Hälfte ins Depot aufgenommen, die wir bereits Mitte Dezember aufgrund der sich damals schon abzeichnenden Turbulenzen entfernt hatten.
Sicherheitsgurte sinnvoll?
Bleibt die Frage, ob das zwischenzeitliche straffe Anlegen der Sicherheitsgurte sinnvoll war oder nicht? Ja, das war es, und zwar aus zwei Gründen:
Erstens haben wie damit unsere Performance nach unten geglättet, auch wenn unsere wahren Werte zwischenzeitlich viel weniger verloren hatten als der gesamte Markt.
Und zweitens, was fast noch wichtiger ist: Wir haben gezeigt, dass wir in der Lage sind, Turbulenzen im Vorhinein zu erkennen und uns darauf einzustellen. Denn ich bin sicher, dass der Tag kommen wird, an dem ein noch schärferer Kursrutsch im Rahmen einer großen Finanzkrise bevorsteht. Wer nicht vorher bewiesen hat, dass er im Ernstfall die Gurte anlegt, der wird es in einem solchen Fall auch nicht schaffen.
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