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Wenn der relative Vorteil des US-Dollars kein Vorteil mehr ist, ist es zu spät, Gold und Silber zu kaufen

Lieber Investor,

im Dezember und Januar konnte sich der Goldpreis wieder ein wenig von seinen Tiefs lösen. Zum Jahreshoch aus dem August 2016 ist es zwar noch ein weiter Weg, doch die Goldanleger waren nach den Rückschlägen aus dem Herbst froh, dass zumindest die Richtung wieder stimmte und die Preise für Gold und Silber anzogen.

Eine Bremse für den Goldpreis war jedoch die Stärke des US-Dollars. Er legte nach der Wahl Donald Trumps zum neuen US-Präsidenten weiter zu. Es war nicht nur das mit dem Schlagwort ‚America first‘ umschriebene Wirtschaftsprogramm des Präsidenten, das den Wert der amerikanischen Währung weiter steigen ließ. Die Hoffnung auf einen zukünftigen Aufschwung wird flankiert von steigenden Zinsen in den USA.

Sehr stark gestiegen sind die US-Zinsen bislang zwar noch nicht, zumindest nicht in absoluten Zahlen. Doch die interessieren die internationalen Anleger im Moment nur am Rande. Viel entscheidender ist der relative Vorteil gegenüber alternativen Anlagen. Zu nennen sind hier in erster Linie japanische und europäische Staatsanleihen.

Hier öffnet sich augenblicklich eine Schere, die eine Art finanzielle Kettenreaktion nach sich zieht. Je weiter die Schere sich öffnet, will heißen, je größer die Zinsdifferenz zwischen amerikanischen und japanischen oder europäischen Anleihen wird, desto größer wird die Nachfrage nach amerikanischen Staatsanleihen und den zu ihrem Kauf notwendigen US-Dollar.

Das vagabundierende Geld sucht seinen Vorteil

Mit dem steigenden Wert des US-Dollars erzielt ein ausländischer Investor in seiner Heimatwährung gerechnet einen doppelten Gewinn. Er profitiert einmal vom höheren Zinssatz. Bedeutet konkret: In den USA können von den Investoren jetzt wieder echte Zinsen vereinnahmt werden, während in Europa und in Japan die Reiter noch immer ihre Pferde zu schultern haben und negative Strafzinsen an die jeweilige Zentralbank zu entrichten haben.

Sinn machte das Tragen des eigenen Pferdes für die internationalen Reiter zu keiner Zeit. Dass man diese absurde Übung dennoch glaubte, nicht vermeiden zu können, lag allein an den fehlenden Alternativen. Im Jahr 2015 waren auch die US-Zinsen noch negativ und die internationalen Anleger standen alternativlos vor der Wahl, entweder Bonds mit einem sehr hohen Risiko und einem vergleichsweise niedrigen, positiven Zinssatz zu erwerben oder das Risiko gänzlich zu meiden und nur noch erstklassige Staatsanleihen mit negativer Rendite zu erwerben.

Inzwischen gibt es wieder eine Alternative und vor die Wahl gestellt, eine negativ verzinste deutsche Staatsanleihe oder eine positiv verzinste US-Staatsanleihe zu kaufen, werden sich viele Anleger für den US-Schatztitel entscheiden. Die Wahl fällt nicht schwer, denn bei einem etwa vergleichbaren Risiko gibt es jenseits des Atlantiks zumindest einen positiven Zinssatz zu vereinnahmen.

Das internationale Kapital ist immer auf der Suche nach der höchsten Rendite. Das ist nicht notwendigerweise auch die Anleihe mit dem höchsten Zinssatz, ansonsten wären griechische Anleihen wesentlich gesuchter als deutsche. Wohl aber läuft diese Suche auf den Erwerb jener Anleihe hinaus, die bei geringstem Risiko die höchste Rendite verspricht.

Relativer Vorteil USA

Nach zwei Zinserhöhungen der US-Notenbank sind dies inzwischen auch im kurzfristigen Bereich die US-Schatztitel. Man ist kein großer Prophet, wenn man vor dem Hintergrund dieser Ausgangslage damit rechnet, dass die US-Staatsanleihen noch so lange von den internationalen Anlegern bevorzugt werden, solange der Zinsvorteil besteht. Das bedeutet auch, dass die relative Stärke des US-Dollars zum Euro oder Yen, aber auch gegenüber den Edelmetallen Gold und Silber erst in dem Moment enden wird, in dem die Zinsen in Europa wieder schneller steigen werden als in den USA.

Bezogen auf die Konjunktur, die wirtschaftliche Stärke und den Schuldenstand relativ zum Bruttoinlandsprodukt, stehen die USA derzeit keineswegs besser dar als etwa Deutschland oder die Schweiz. Trotzdem werden die Anleger die US-Staatsanleihen bevorzugt kaufen, weil es jenen kleinen, relativen Vorteil beim Zinssatz gibt. An italienische, spanische oder griechische Anleihen werden sich viele Anleger erst gar nicht heranwagen, weil ihnen das Vertrauen in die Stabilität der Finanzsysteme jener Länder fehlt.

Wenn sich am Markt einmal die Ansicht durchsetzt, dass diese Länder überschuldet und damit faktisch gescheitert sind, werden die Rentenmärkte dieser Länder komplett austrocknen und die Flucht des internationalen Kapitals in die noch verbliebenen „sicheren Häfen“ wird sich weiter verstärken.

Sie wird solange zunehmen, bis den Anlegern auffällt, dass nicht nur Italien, Spanien oder Griechenland, sondern auch Länder wie Japan, Deutschland und die USA faktisch zahlungsunfähig und damit finanziell gescheitert sind. Was im einen wie im anderen Fall bedeutet, dass die dort angelegten Gelder verloren sind.

Auch der verzweifeltste Versuch durch eine zugemauerte Türe zu fliehen, muss zwangsläufig scheitern

Wenn den Anlegern erst einmal bewusst geworden ist, dass die Überschuldung das Grundproblem aller Staaten ist und es aus ihr keinen echten Ausweg gibt, werden die verbleibenden Alternativen sofort ungangbar sein. Ein jeder Anleger wird wissen oder zumindest spüren, dass er sein Vermögen außerhalb unseres zusammenbrechenden Geldsystems halten muss, wenn er es schützen will.

Das ist der Tag, an dem jeder gewillt ist, sein Geld in Sachwerte zu tauschen. Für die meisten Besitzer dieser Sachwerte besteht allerdings nicht die Notwendigkeit, ihre Sachwerte in ein vom Verfall bedrohtes Geld zurückzutauschen. Diesen Schritt werden sie nur dann vollziehen, wenn hohe Schulden, die anders nicht mehr bedient werden können, beglichen werden sollen.

Ist der Sachwertebesitzer jedoch schuldenfrei, so hat er keinen Grund zu verkaufen, sprich einen bleibenden Wert in schwindsüchtiges Geld zu tauschen. Das bedeutet im Gegenzug, dass die Türe, durch die alle dann zu fliehen hoffen, im Grunde längst verbaut ist, weil aufseiten der Sachwerteeigentümer keine Verkaufsbereitschaft mehr besteht.

Diese Entwicklung ist auch für die Sachwerte Gold und Silber zu erwarten. Was wiederum im Gegenzug bedeutet, dass die Anleger, die sich und ihr Vermögen durch einen Tausch in die Edelmetalle schützen wollen, diesen Tausch rechtzeitig vollziehen müssen. Man muss durch die Türe gehen, solange sie noch offen ist. Wer zu lange wartet, findet am Ende keinen Verkäufer mehr, was einer verschütteten oder einer vermauerten Türe gleichkommt, durch die eine Flucht nicht mehr möglich ist.

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