Lieber Leser,
ihre Jahresbilanz präsentierte vor einigen Tagen auch die Commerzbank. Dass der Markt mit dem Ergebnis nicht sonderlich zufrieden war, belegt der anschließende Kursrückgang der Aktie von 7,80 auf im Tief etwa 7,40 Euro. Auf diesem Niveau kam es dann zwar zu einer kleinen Erholung, die sich bisher aber nur eingeschränkt als nachhaltig erwies.
Gewinneinbruch weniger stark als befürchtet
Angesichts eines Gewinneinbruchs von rund 75% von gut einer Mrd. auf 279 Mio. Euro ist die negative Reaktion der Investoren absolut nachvollziehbar. Dass der Ertrag damit über im Durchschnitt erwarteten 249 Mio. Euro lag, war nur ein schwacher Trost. Zumal der höhere Überschuss primär auf Einmaleffekten wie dem Verkauf der Anteile an Visa Europa beruhte. Zudem profitierte das Geldhaus von der Einigung im Streit um Altlasten der einstigen österreichischen Krisenbank Hypo Alpe Adria. Auf der anderen Seite musste Deutschlands zweitgrößte Geschäftsbank für faule Kredite deutlich höhere Rücklagen als 2015 bilden.
Großangelegter Konzernumbau dauert und kostet
In Anbetracht des Niedrigzinsumfelds, dessen Ende derzeit noch nicht absehbar ist, und des großangelegten Konzernumbaus wird sich die Gewinnsituation – wenn überhaupt – nur langsam verbessern. Um wieder rentabler zu werden, soll die Commerzbank vor allem kleiner werden und sich verstärkt auf das Geschäft mit Privat- und Firmenkunden konzentrieren. Im Gegenzug ist geplant, das Engagement im Investment-Banking-Bereich signifikant zurückzufahren und in diesem Sektor zigtausend Arbeitsplätze zu streichen. Kurzfristig drohen nach dem Bruch des Aufwärtstrends seit Oktober 2016 weitere Abgaben bis zur Supportzone zwischen 7,30 und 6,50 Euro. Bis die Aktie wieder in zweistelligen Gefilden notiert, dürfte noch einiges Wasser den Main hinunterfließen.



