Harvard-Ökonom Rogoff erwartet Rückkehr der Euro-Krise. Deutschland werde als Gläubiger im Euro-Raum "eine Rechnung bezahlen müssen."
Der Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff erwartet eine Rückkehr der Euro-Krise und rät der Bundesregierung, vorbereitet zu sein. Deutschland werde als Gläubiger im Euro-Raum "eine Rechnung bezahlen müssen", sagte der Experte für Staatsschulden dem Wirtschaftsmagazin "Capital" (Ausgabe 3/2017).
"Die Last der deutschen Schulden ist höher, als die Zahlen es vermuten lassen. Sie sind nicht in der Bilanz, aber eines Tages werden sie fällig - und die Deutschen sollten darauf vorbereitet sein."
Rogoff erwartet, dass nach dem Ende der ultralockeren Geldpolitik das Risiko einer neuen Schuldenkrise in Süd-Europa - vor allem in Italien - rapide zunehmen werde. Schließlich werde es für EZB-Chef Mario Draghi "sehr problematisch, bei einer höheren Inflation die Notwendigkeit des Quantitative Easing (QE) zu erklären".
Die südlichen Euro-Staaten, allen voran Griechenland, bräuchten dann einen Schuldenschnitt und Deutschland werde dabei hohe Beträge abschreiben müssen.
"Man hätte den Schuldenschnitt vor langer Zeit machen sollen. Wenn er kommt, sollte man großzügig sein", so Rogoff. Für die US-Wirtschaft ist der Harvard-Ökonom optimistisch und rechnet mit einer Fortsetzung des Aufschwungs in den Jahren 2017 und 2018. "Auf kurze Sicht wird die US-Wirtschaft gut laufen", so der Harvard-Ökonom.
Für 2019 prophezeit er aber eine Überhitzung mit steigender Inflation: "Dann werden wir das klassische Makro-Schlamassel erleben."
ifo-Chef träumt von Reform der Eurozone
Der ifo-Präsident Clemens Fuest hat eine umfassende Reform der Eurozone gefordert. „Die Eurozone ist dringend reformbedürftig. Um dauerhafte Stabilität in der Währungsunion erreichen zu können, müssen jetzt Abläufe und Zuständigkeiten geändert werden“, sagte er am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung seines neuen Buches „Der Odysseus-Komplex“, das er zusammen mit dem Finanzwissenschaftler Johannes Becker aus Münster geschrieben hat.
„Wir wollen den Auftrag für die Europäische Zentralbank klarer definieren, sie sollte sich allein auf die Geldpolitik konzentrieren. Das Verbot von Staatsfinanzierung sollte schärfer formuliert sein, die Rettung von Staaten sollte dem Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM vorbehalten sein, für die Bankenaufsicht sollte mittelfristig eine eigenständige Behörde geschaffen werden. Der Bankensektor sollte robuster werden und wenig engagiert sein in der Staatenfinanzierung.“
Zur Begrenzung des Schuldenmachens schlagen Fuest und Becker vor, dass Staaten nur noch 0,5 Prozent ihrer Jahreswirtschaftsleistung mit normalen Anleihen finanzieren dürfen. Sollten sie höhere Schulden machen, müssten diese Anleihen nachrangig sein, also als erste ausfallen, sie dürfen nicht von der EZB gekauft werden und auch von Banken nur mit hoher Eigenkapitalunterlegung gehalten werden.
„Das würde deutlich höhere Zinsen für diese Anleihen bedeuten, weil die Kosten der Verschuldung nicht auf andere Länder abgewälzt werden können. Die derzeitige Subventionierung des Schuldenmachens durch Elemente der Solidarhaftung würde abgeschafft“, sagte Fuest.



