Liebe Leser,
für den deutschen Halbleiterhersteller Infineon könnte es so gut laufen, wäre da nicht die jüngst bekanntgegebene Blockade der US-Behörden zur Übernahme des Wettbewerbers Wolfspeed. Völlig überraschend grätschte der US-Regierungsausschuss mit dem Namen Committee on Foreign Investment in the United States (kurz: CFIUS) dazwischen und sorgte für miese Stimmung sowohl bei den Deutschen als auch bei den US-Amerikanern. Die 850 Millionen Dollar teure Übernahme sollte die ohnehin gute Ausgangslage als Zulieferer für Elektroautos und Mobilfunk weiter ausbauen.
Die Zahlen
Lässt man das aktuelle politische Dilemma außen vor, kann Infineon auf ein sehr gutes Jahr 2016 zurückblicken. Die auf der Hauptversammlung 2017 jüngst vorgestellten Zahlen, verfestigen diesen Eindruck. Infineon steigerte seinen Umsatz um 12 Prozent auf etwa 6,5 Milliarden Euro. Die operative Rendite des Geschäftsjahres 2016 lag bei 15,2 Prozent und ist damit etwas schwächer als der Vergleichswert des Vorjahres (15,5 Prozent). Dennoch hat man das gesteckte Ziel erreicht. Der Konzerngewinn kletterte um 17 Prozent auf 743 Millionen Euro.
Für das kommende Jahr gab sich Infineon optimistisch und prognostizierte ein Umsatzwachstum von 8 Prozent und eine Margen-Steigerung von 16 Prozent. Reinhard Ploss, seit 2012 Vorstandsvorsitzender bei Infineon, bekräftigte die Zuversicht und stellte klar, dass das Interesse der Kunden an Produkten des Konzerns weiterhin steige.
Hoffen und Bangen
Der Wolfspeed-Deal ist inzwischen von der US-amerikanischen Muttergesellschaft Cree abgeblasen worden. Zum Zeitpunkt der Infineon-Hauptversammlung war dieser Fakt – zumindest offiziell – noch nicht bekannt. Bei Infineon bewertete man die Lage dennoch realistisch. Man war sich bereits des Risikos bewusst, dass der Deal möglicherweise „nicht wie geplant“ durchgeführt werden könne. Enttäuscht gab Ploss zu Protokoll: „Wolfspeed hätte uns einen deutlichen Sprung nach vorne machen lassen“. Nun muss man sich anderweitig umschauen.



