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Die Spirale des Protektionismus dreht sich immer schneller

Lieber Investor,

schon wenige Wochen nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump jagt ein negatives Zukunftsszenario das andere. Wirtschaftshistoriker warnen vor Währungs- und Handelskriegen und den mit ihnen einhergehenden Wohlstandsverlusten. Für diese braucht es bekanntlich Sündenböcke, die am leichtesten im Ausland zu finden sind. Konflikte bis hin zu solchen, die am Ende nur noch mit Waffengewalt ausgetragen werden, sind deshalb eine weitere Befürchtung, die wie ein Damoklesschwert über unserer Welt schwebt.

Donald Trump war im Grunde nur wenige Tage im Amt, da warnte der britische Wirtschaftshistoriker Harold James bereits davor, dass der neue Präsident die Welt mit seinen Aktionen leicht in einen Teufelskreis aus Währungskrieg und Protektionismus treiben könne. Am Ende dieser Entwicklung sind ein ausgeprägter Protektionismus und Abwertungswettläufe bei den Währungen zu erwarten. Ein Szenario, das es schon einmal in den 1930er Jahren gab und das die Welt mit Blick auf das, was in den 1940er Jahren geschah, in keiner guten Erinnerung hat.

Das Problem ist, dass die Mannschaft um Donald Trump einen starken und einen schwachen US-Dollar gleichzeitig will. Was natürlich unmöglich ist und was, wenn man es dennoch versucht, leicht in einen währungspolitischen und wirtschaftspolitischen Schleuderkurs enden kann.

Auf der einen Seite soll der US-Dollar stark sein, denn ein starker US-Dollar signalisiert nicht nur jenen, die Donald Trump ins Präsidentenamt gewählt haben, dass der Ansatz des ‚America first‘ aufzugehen scheint. Starke Währungen stehen für wirtschaftlich starke Länder. Sie werden im Ausland nachgefragt und sind begehrt.

Weiß Donald Trump wirklich, was er will?

Das Gefühl, der Chef eines Landes zu sein, dessen Währung sich in der gesamten Welt einer besonders starken Nachfrage erfreut, muss gerade für einen Narzissten wie Donald Trump ein besonders beglückendes und damit für die Zukunft motivierendes Gefühl sein. Von ihm verabschiedet man sich nicht so leicht.

Auf der anderen Seite begünstigt eine starke Währung die Importe und macht den eigenen Exporteuren im Ausland zu schaffen, weil ihre Waren dort als vergleichsweise teuer empfunden werden. Das ist in den USA nicht anders als anderswo auf der Welt. Will Donald Trump also wirklich die heimische Industrie stärken, ist ein starker US-Dollar unter Umständen sehr kontraproduktiv.

Ein Teil der Aktivitäten des neuen US-Präsidenten zielte in den ersten Wochen nach der Amtsübernahme jedoch darauf ab, mögliche Konkurrenten, wie die Europäische Union, zu schwächen. Gelingt dieses Manöver, wird an den Kapitalmärkten der Euro gegenüber dem US-Dollar weiter an Wert verlieren. Wie eine derartige Entwicklung die Chancen der US-Unternehmen auf dem Weltmarkt verbessern soll, bleibt eines der Geheimnisse der neuen US-Administration.

In die gleiche Richtung gehen die vom Weißen Haus gestreuten Suggestionen, dass die europäische Währungsunion kurz vor dem Zerfall stehe. Folgen die Kapitalmärkte dieser Annahme, ist eine weitere Abwertung des Euros und damit eine weitere Begünstigung der von Trump so gehassten deutschen Exporte unausweichlich. Ihr kann nach Trumpscher Logik nur mit noch höheren Einfuhrsteuern begegnet werden.

Die Gegenreaktionen werden nicht lange auf sich warten lassen

Sollten die USA in den nächsten Monaten ein Land nach dem anderen mit Zöllen und Handelsrestriktionen überziehen, werden diese Länder sehr schnell mit gleichen Maßnahmen antworten, sodass die Spirale des Protektionismus sich immer schneller in Bewegung setzen wird.

Am Ende wird der Warenaustausch zwischen den Völkern merklich zurückgehen und es wird in jedem Land der Welt, nicht nur in den USA wieder mehr für den eigenen Bedarf und weniger für den Export produziert werden. Mit dem Warenaustausch leidet auch die Produktivität, denn die neu geschaffenen Handelsgrenzen stellen auch für neue Technologien eine Barriere dar, die immer schwerer zu überschreiten ist.

Damit leidet auch der technische Fortschritt insgesamt und es dauert wie in der Vergangenheit wieder länger, bis neue Technologien in andere Länder vordringen. Ob die Menschen dadurch wohlhabender und glücklicher werden, darf bezweifelt werden, denn einer der Grundgedanken des Welthandels, dass jeder die Produkte anbietet, die er besonders gut und entsprechend preiswert zu produzieren in der Lage ist, wird durch Strafzölle bewusst ausgehebelt.

Die Spirale aus Maßnahme und Gegenmaßnahme ist sehr schnell in Gang gesetzt, kann aber anschließend nur sehr schwer wieder gestoppt werden, weil das dazu notwendige gegenseitige Vertrauen gründlich zerstört wurde. Jede Drehung ist bereits eine Drehung zu viel und jede weitere Drehung ein Sargnagel, auf den die Welt gerne verzichten kann.

Es droht international der permanente Rechtsbruch

Würde Donald Trump in der kommenden Nacht überraschend versterben, so wäre der Schaden noch in Grenzen zu halten. Die Welt würde sich, wie nach einem schlechten Traum, kurz schütteln und anschließend zur gewohnten Tagesordnung übergehen, also ihre bisherigen Absprachen weiter befolgen und ihre Regelkreisläufe in der gewohnten Weise wahrnehmen.

Doch je länger Donald Trump in der Weise reagiert, in der er seine Präsidentschaft begonnen hat, umso nachhaltiger wird der Schaden für die Welt im Allgemeinen und die internationalen Beziehungen im Besonderen sein. Letztere basieren darauf, dass Absprachen eingehalten und internationale Schiedssprüche anerkannt werden. Geschieht dies nicht mehr, weil sich einzelne Mächte nicht mehr an diese gebunden fühlen, reagiert über kurz oder lang nur noch das Faustrecht des Stärkeren.

Für kleinere Länder und Unternehmen ist die Gefahr besonders groß, denn sie haben den Drohungen der Großen wenig entgegenzusetzen. Sie müssen sich politisch wie wirtschaftliche Dinge gefallen lassen, ohne es anderen in gleicher Münze heimzahlen zu können. Das führt zwangsläufig zu einer latenten Aggression, die unsere Welt im Kleinen wie im Großen gewiss nicht friedlicher machen wird.

Als Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise hatten sich die G20-Staaten 2009 feierlich zugesichert, dass man alles in seiner Macht stehende tun werde, um die negativen Entwicklungen der 1930er Jahre nicht zu wiederholen. Wie es aussieht, wird dieses Versprechen in den kommenden Monaten auf eine sehr harte Probe gestellt.

Wird sie nicht bestanden, dürften die Auswirkungen nicht nur an den Renten-, Aktien-, Rohstoff- und Devisenmärkten schon bald gravierend sein.

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