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In Dubai geht's Licht aus

Viele Hochhäuser ohne Strom. Menschen schlafen auf den Straßen. Ernsthafte Energiekrise hat  die Golfregion schwer getroffen. Investoren vor der Pleite. Das Wirtschaftsmärchen aus 1001 Nacht ist für viele zum Alptraum geworden. 

 

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Dubai: Bauboom ohne Ende?

Wer dieser Tage in Richtung Dubai fliegt, der macht beim Landeanflug auf den Flughafen eine merkwürdige Entdeckung, wenn er (vom Golf kommend) links aus dem Fenster schaut. Die Hochhäuser sind dunkel. Das liegt nicht daran, dass es so spät ist, sondern an einem Stromausfall, der in den Vororten von Dubai zu einem ernsthaften Problem wird. 

Hauptbetroffen von diesem Energieausfall ist Sharjah, die Nachbarstadt von Dubai. Sharjah grenzt unmittelbar an die Golfmetropole, ist praktisch der Vorort von Dubai. Hier wohnen alle, die nicht so viel Geld haben und jene, die tagsüber in den Fabriken schuften, viele Arbeiter. Industrieanlagen sind hier ebenfalls zu finden. Doch seit über einem Monat geht hier praktisch nichts mehr.

Bis zu 15 Stunden Stromausfall  beklagen die Einwohner. Es ist Tagesgespräch und Schlagzeile in den ansonsten stark zensierten Zeitungen. 

Stromausfall bedeutet hier in der Region ein existenzielles Problem. Bei 45 Grad im Schatten wird jeder Wolkenkratzer in kurzer Zeit zur Hölle. Doch nicht nur die Klimaanlagen sind betroffen. Auch die Wasserversorgung. Darüber hinaus besteht in den Klötzen ernsthafte Erstickungsgefahr, weil sich kein Fenster öffnen lässt. 20 oder 40 Etagen zu Fuß zu laufen, verstärken das Höllengefühl.

Die Menschen schlafen nachts auf den Straßen. Können kaum noch arbeiten. Viele Arbeitgeber schicken die Angestellten nach Hause. Ohne Strom keine Produktion. Angeblich sind bereits 100 Millionen Euro an Ausfällen zu beklagen. Selbst Zementwerke sind vom Stromausfall betroffen.

Offizielle Stellungnamen zu dem Problem gibt es nicht. Der örtliche Energieversorger schweigt. Doch hinter den Kulissen munkelt man, was passiert ist: In der Region  wurden zwar Hunderte von Wolkenkratzern gebaut  - aber es ist offenbar nicht für die nötige Energeiversorgung gesorgt worden.

Ein bisher unveröffentlichter Regierungsreport spricht derzeit von rund 1000 Gebäuden im Norden der Emirate, die wegen Strommangels nicht ans Elektrizitätsnetz angeschlossen werden können - berichtet "The National", eine staatseigene Zeitung der Vereinigten Arabischen Emirate. Beobachter sprechen von Energie-Mißwirtschaft in einer der energiereichsten Zonen der Welt.

 Allein der gerade fast fertiggestellte Burj Dubai, das höchste Gebäude der Welt mit über 200 Etagen, frisst den Energiebedarf einer Kleinstadt. Zusätzlich wurden in den letzten Monaten Dutzende von Hochhäusern fertiggestellt. Sie werden alle unter enormen Energeiaufwand gekühlt. Die Folge: Der Strom wird knapp.

Doch bevor in der Glitzermetropole Dubai der Strom abgeschaltet wird, knipsen die Behörden lieber in den billigeren Vierteln den Strom aus. Und deshalb sitzt Sharjah im Dunkeln.

Die Stromprobleme könnten zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt kommen. Denn Dubai hat derzeit genug Probleme. So mancher Traum ist im abgelaufenen Jahr hier geplatzt. Immer mehr Menschen hauen ab. Dabei hatte alles vielversprechend angefangen.

Viele kamen, um in Dubai ihr Glück zu versuchen. Die aufstrebende Metropole am Golf schien keine Grenzen zu kennen. Doch nun stehen viele Investoren vor einem Scherbenhaufen und viele Menschen vor dem Ruin.

Viele Hochhäuser stehen leer. Viele Unternehmen schließen ihre Niederlassungen. Viele Geschäfte ohne Kunden. Baustopp auch auf vielen Baustellen. Fertiggestellt wird nur noch, was sichtbar in den Himmel ragt.

Manch ein Immobilienprojekt existierte jedoch nur auf dem Papier. Andere waren zwar gut gemeint, wurden aber nicht realisiert. Berechnungen von HSBC zufolge beläuft sich die Schadenssumme von geprellten Investoren allein in Dubai in einem zweistelligen Milliardenbereich. Die Bank geht von Verzögerungen oder Baustopp von Immobilienprojekten im Wert von  75 Milliarden Dollar aus.

Doch die einmal eingezahlten Gelder können die Betroffenen abschreiben. Der Rechtsweg ist praktisch nicht existent. Damit sind viele Menschen in Dubai in einen Teufelskreis geraten, da die Gelder teils von Banken finanziert wurden. Diese fordern nun ihr Geld zurück. Doch viele Betroffene sind praktisch insolvent - mit dramatischen Folgen.

Hinzu kommt, dass viele im Glauben auf stetig steigende Preise auf Pump Immobilien  gekauft haben, welche innerhalb eines Jahres bis zu 50% an verloren. Doch wer in Dubai mit Schulden dasteht und in Zahlungsschwierigkeiten gerät, auf den wartet der "Schuldturm".

Säumige Schuldner kommen ohne Gericht sofort ins Gefängnis. Denn Ein Zivilrecht kennt das Scheichtum nicht. Mittlerweile sind die Gefängnisse überfüllt. Deshalb wollen viele Menschen einfach nur noch weg. Doch das ist nicht mehr einfach. Bei der Ausreise wird derzeit scharf kontrolliert, ob man Schuldenprobleme hat oder nicht. Wird ein Flüchtiger ertappt, gehts ab in den Knast - es sei denn, er kann nachweisen, dass er seinen Verpflichtungen irgendwie nachkommen kann.
 
Michael Mross sprach mit Tewe Panier, Buchautor und Dubai-Kenner über die aktuelle Lage in der Wüstenmetropole.
 
 
 

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