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Euro vor Zerfall

Euro-Länder kämpfen gegen Zerfall der Währungsunion. Berlusconi und Sarzkozy sagen Moskau-Reise ab.  US-Ökonom Roubini sieht Gefahr, dass Euro gesprengt wird. „Gefahr eines Dominoeffekts“. Japan und USA "nächste Kandidaten".

 

Der als Prophet der Finanzkrise berühmt gewordene US-Ökonom Nouriel Roubini warnt im Interview mit dem Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL davor,  dass sich die griechische Schuldenkrise rasant global ausbreiten wird.

 

„Griechenland ist nur die Spitze des Eisbergs“, so Roubini, der die globale Wirtschaftkrise schon zwei Jahre vor ihrem Eintritt detailliert vorhergesagt hatte. Die bisherigen Rettungspläne seien nicht ausreichend, warnt Roubini: „Wenn nicht bald ein Plan B erarbeitet wird, besteht die Gefahr eines Dominoeffekts.“ Dann werde sich die Krise sehr schnell auf Länder wie Portugal oder Spanien ausbreiten. „Das würde am Ende den Euro sprengen“, so Roubini.

 

Der Ökonom wirft dabei der deutschen Regierung vor, wertvolle Zeit verschwendet zu haben: „Die deutsche Innenpolitik und die wachsende Skepsis über die Währungsunion haben die Reaktion verzögert, das hat den Bemühungen geschadet, die Griechenland-Krise einzudämmen.“

 

Die Milliardenhilfe durch den IWF und die Euro-Staaten hält der Ökonom nicht für ausreichend, um die Krise zu bekämpfen: „Das verschiebt das Problem nur ins nächste Jahr“, sagte er dem SPIEGEL. Zudem werde die Krise nicht in Europa haltmachen. Roubini fürchtet, dass die horrende Staatsverschuldung bald auch Japan und den USA „ernste Probleme“ bereiten wird.

Unterdessen haben die Euro-Länder haben der Spekulation an den Finanzmärkten auf einen Zerfall der Währungsunion den Kampf angesagt.

 

Unter dem Eindruck der Turbulenzen an den Börsen weltweit entschlossen sich die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone am Freitagabend spontan, dem 110-Milliarden-Kreditpaket zur Rettung Griechenlands eine noch schwerere Abwehrwaffe gegen die Schuldenkrise folgen zu lassen.

 

Noch vor Öffnung der Finanzmärkte sollen die EU-Finanzminister am Sonntagabend in Brüssel beschließen, dass die Kommission künftig bei drohender Zahlungsunfähigkeit am Kapitalmarkt Kredite für strauchelnde Euro-Länder aufnehmen kann.

 

Von einer drohenden Attacke auf den Euro und systemischen Gefahren für das Finanzsystem war die Rede. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel warf ihre Bedenken über Bord und räumte ein, die Euro-Zone müsse sich mit einem Gemeinschaftsinstrument gegen Spekulanten wehren.



Frankreich Präsident Nicolas Sarkozy und der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi haben wegen der Euro-Krise ihre Reisen nach Russland abgesagt. Merkel wird aber an den Feierlichkeiten zum 65. Jahrestag des Sieges über Nazideutschland am Sonntag in Moskau teilnehmen.

 

Unmittelbar vor dem Sondergipfel der EU-Finanzminister  zur Stabilisierung des Euro am heutigen Sonntag haben führende  Wirtschaftsexperten vor einem weiteren Verfall des Euro gewarnt.

 

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, sagte BILD  am SONNTAG: “Solange die Unsicherheit über Griechenland und andere  Länder am Rand der Währungsunion andauert, bleibt der Euro unter  Druck.“

 

Mayer weiter: “Ich denke, wir werden bald 1,20 gegenüber  dem Dollar sehen und ein weiterer Rückgang in Richtung Parität  zum Dollar ist durchaus möglich.“

 

Der Präsident des wirtschaftswissenschaftlichen Instituts “Bayerisches Finanz Zentrum“, Wolfgang Gerke, rechnet mit einer Inflation. Gerke: “Zwar keine Hyperinflation, aber bei 3 bis 4 Prozent wird  sie liegen. Ursache sind die hohen Haushaltsdefizite der Staaten.“


Eckhard Cordes, Vorstandsvorsitzender des Einzelhandelskonzerns Metro, warnte gegenüber BILD am SONNTAG vor negativen Folgen  für den Arbeitsmarkt: “Ein langfristig schwacher Euro kann den  wirtschaftlichen Zusammenhalt Europas und damit die begonnene Erholung der deutschen Wirtschaft aufs Spiel setzen. Das kann  sich letztlich negativ auf den Arbeitsmarkt auswirken und Arbeitsplätze gefährden.“

 

Professor Michael Hüther, Leiter des Kölner Instituts  der deutschen Wirtschaft (IW), erwartet dagegen eine eher positive  Entwicklung: “Der deutsche Arbeitsmarkt entwickelt sich ungetrübt  von der Situation in Griechenland. Als indirekte Folge der Abwertung  der Staatsanleihen gewinnen Unternehmensanleihen an Attraktivität,  was sich positiv auf die Unternehmen und im besten Fall auch  auf den Arbeitsmarkt auswirken könnte.“

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