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Neuer Konjunktureinbruch?

Wirtschaftsweiser Bofinger warnt vor neuem Konjunktureinbruch. "Aus meiner Sicht erleben wir im Augenblick ein Zwischenhoch, das den sehr expansiven Maßnahmen der Fiskalpolitik und der Geldpolitik geschuldet ist".

 

Peter Bofinger, Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der wirtschaftlichen Entwicklung, zweifelt an der Nachhaltigkeit des Aufschwungs in Deutschland. "Aus meiner Sicht erleben wir im Augenblick ein Zwischenhoch, das den sehr expansiven Maßnahmen der Fiskalpolitik und der Geldpolitik geschuldet ist", sagte Bofinger im Video-Interview mit ZEIT ONLINE.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal um 2,2 Prozent gewachsen. Auf das Jahr hochgerechnet entspricht das einer Rate von 8,8 Prozent. Das ist mehr als in China, wo nur acht Prozent erreicht worden waren.

Laut Bofinger droht der deutsche Aufschwung jedoch schon bald wieder abzubrechen. An den Finanzmärkten trifft diese Einschätzung auf Widerhall. Nachdem sich der amerikanische Notenbankpräsident Ben Bernanke diese Woche skeptisch zum Konjunkturausblick geäußert hatte, flüchten die Investoren in sichere Anlagen wie Staatsanleihen, was die langfristigen Zinsen auf immer neue Tiefststände drückt.

"Was wir erleben, ist eine Bestätigung keynesianischer Theorie: Man kann durch den Staat in einer schweren Krise die Wirtschaft wieder drehen", sagte Bofinger. Es bestehe die Gefahr, dass die Konjunktur wieder einbreche, wenn sich der Staat aus der Wirtschaft zurückziehe.

Bofinger forderte die Regierung deshalb auf, die Konjunktur erneut zu stützen. "Deutschland wäre in der Lage, die Konjunkturlokomotive zu spielen, das sollte am besten dadurch herbeigeführt werden, dass die öffentlichen Investitionen in den nächsten Jahren kräftig ausgeweitet werden. Die Mittel sind da, wir haben eine große Geldersparnis und die Zinsen sind niedrig." Bofinger kritisierte in diesem Zusammenhang die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse, die eine solche Politik erschwere. "Das Problem ist, dass die Schuldenbremse dem Staat jede unternehmerische Tätigkeit untersagt."

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