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Sarrazin: Es kommt zum Kesseltreiben

Thilo Sarrazin: Es kommt zum Kesseltreiben. Warnung vor Schauprozess. "Ich will nicht kneifen". „Der Bundespräsident wird sich genau überlegen, ob er eine Art politischen Schauprozess vollenden will, der anschließend von den Gerichten kassiert wird.“

 



Der Bestseller-Autor und von Abberufung bedrohte Bundesbanker Thilo Sarrazin hat Bundespräsident Christian Wulff vor einem „Schauprozess“ gegen ihn gewarnt. In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin FOCUS sagte Sarrazin: „Der Bundespräsident wird sich genau überlegen, ob er eine Art politischen Schauprozess vollenden will, der anschließend von den Gerichten kassiert wird.“

Er gehe davon aus, dass sich Wulff nicht ohne Anhörung einem Schnellverfahren anschließe, zumal er die Stärkung der Demokratie und des offenen Diskurses als sein Zentralthema gewählt habe. „Im Übrigen ist die Meinung der Verfassungsrechtler in der Frage meiner möglichen Abberufung eher auf meiner Seite“, merkte Sarrazin an.

Über die Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel an ihm sagte er, „Na, was glauben Sie, wie viele tausend Briefe und E-Mails von CDU-Anhängern in ihre Parteizentrale geschickt worden sind. Da spürt sie: Hier bricht was auf, was schwer zu beherrschen ist. Deshalb kommt es zum Kesseltreiben. Daraus erkenne ich immerhin: Man traut meinen Gedanken einige Sprengkraft zu. Interessanterweise höre ich aus der CSU kaum negative Kommentare, die sind gewöhnlich auch näher an der Basis.“

Sarrazin denkt nicht daran, eine eigene Partei zu gründen: „Ich war nie ein Mann der ersten Reihe und werde das auch nie sein. Ich habe keine Partei im Sinn, ich habe Ideen im Sinn. Mit denen kommt man zuweilen weiter als mit Parteien.“ Die SPD will Sarrazin nicht verlassen: „Weil ich einfach dazu gehöre. Ein überzeugter Katholik tritt doch auch nicht aus der Kirche aus, nur weil er dem heutigen Papst nicht gefällt,“ erklärte er. „Die SPD wird gebraucht in Deutschland. Sie ist eine Partei des sozialen Fortschritts, genau das ist auch ein Anliegen meines Buches.“ Auch einige Größen der Sozialdemokratie signalisierten ihm, dass sie einen Partei-Ausschluss für ganz falsch hielten.

Seine Aussagen bereut Sarrazin nicht: „Meine Frau, die sehr zu mir hält, sagt zwar manchmal, Mensch musste das denn sein. Aber es musste.“ Weiter erklärte er: „Ich habe etwas für richtig erkannt und will es einfach sagen.“

Sarrazin räumte aber ein, dass ihn die massiven Angriffe ins Schwanken gebracht hätten: „Ich habe in diesen Tagen der öffentlichen Kritik schon manchmal an Rücktritt gedacht, aber mit jedem Tag hat auch die Unterstützung vieler so spürbar zugenommen, dass ich nun nicht kneifen will.“


FDP-Integrationsexperte Tören: Entlassung von Sarrazin „schwerer Fehler“


Der integrationspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Serkan Tören, hat die Entlassung von Thilo Sarrazin aus dem Vorstand der Bundesbank als schweren Fehler bezeichnet. „Ich teile viele seiner Thesen nicht. Und vor allem seine genetischen Theorien sind völlig abstrus“, sagte Tören dem Nachrichtenmagazin FOCUS. „Aber seine Abberufung halte ich für einen schweren Fehler. Das schadet mehr, als es nutzt. Uns Integrationspolitikern erschwert das die Arbeit.“

Mit der Abberufung von Sarrazin schaffe die Politik einen Märtyrer und fördere so die Bildung von Legenden, sagte der FDP-Politiker. „Die Bürger bekommen durch den Rauswurf den falschen Eindruck, man dürfe in Deutschland seine Meinung nicht mehr sagen. Dieser Eindruck darf aber nicht entstehen.“

Deutschland brauche eine offene Diskussion über Themen wie Zuwanderung und Integration. „Wir sollten auch keine Angst vor rechten Parteien haben“, sagte Tören in FOCUS. „Die haben meistens gar keinen Erfolg, wenn wir uns offensiv der Diskussion stellen. Tatsächlich ist es doch so: Es gibt bei der Integration Probleme. Aber die werden auch angepackt. Es gibt dafür mehr Mittel und Vorschläge, wenn die Themen nicht unterdrückt werden.“

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