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S&P: Ratings sinnlos?

Der Deutschlandchef von Standard & Poor’s (S&P), Torsten Hinrichs, begrüßt es, wenn Ratings künftig eine geringere Bedeutung eingeräumt wird. „Wir haben überhaupt kein Problem damit, wenn Ratings aus den regulatorischen Vorgaben entfernt würden“.


Der Deutschlandchef von Standard & Poor’s (S&P), Torsten Hinrichs, begrüßt es, wenn Ratings künftig eine geringere Bedeutung eingeräumt wird. „Wir haben überhaupt kein Problem damit, wenn Ratings aus den regulatorischen Vorgaben entfernt würden“, sagte S&P-Chef Hinrichs in einem Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“ (Donnerstagausgabe).
 
Die Politik habe bereits erste Schritte unternommen, die Bedeutung der Ratings abzuschwächen, sagte Hinrichs. So habe die EZB ihre Mindest-Rating-Standards bei griechischen und irischen Staatsanleihen ausgesetzt. „Wir haben immer betont, dass Investoren und Anleger sich auch ihre eigenen Urteile bilden sollen und unsere Ratings keine Investitionsempfehlung sind“, sagte Hinrichs. Die Gefahr, dass ein solches Vorgehen das Geschäftsmodell der Ratingagenturen gefährden könne, sieht Hinrichs nicht. „Ratings dienen vor allem der Orientierung für die Investoren. Sie sollen sich ja jetzt schon eine eigene Meinung über die Risiken bilden, die sie eingehen wollen“, sagte er.
 
Gleichwohl sprach sich Hinrichs gegen Pläne der EU aus, Ratingagenturen künftig strenger zu kontrollieren. „Wir warnen davor, eine weitere Regulierungswelle loszutreten, bevor wir überhaupt wissen, wie die neuen Regeln wirken und wo eventuell noch Justierungsbedarf besteht“, sagte Hinrichs. Die EU plant, die seit 2010 bestehenden Haftungsregeln für Ratingagenturen abermals zu verschärfen. „Mir ist nicht klar, wie man diese in die Zukunft gerichteten Wahrscheinlichkeitsaussagen juristisch bewerten will“, sagte Hinrichs. Ob die Ratingagenturen im Falle einer strengeren Regulierung ihre Länderratings aufgeben, wie jüngst aus der Branche zu hören war, wollte Hinrichs nicht kommentieren. „Diese Frage stellt sich derzeit nicht, da nicht klar ist, wie schärfere Haftungsregeln aussehen sollen.“
 
Hinrichs wies jede Schuld der Ratingagenturen an der Verschärfung der Eurokrise von sich. „Dass die Schuldenkrise in der Eurozone so eskaliert ist, ist nicht die Schuld der Ratingagenturen. Die Staaten hätten früher ihre Hausaufgaben machen müssen“, sagte Hinrichs. Der Vorwurf, dass die drei großen Agenturen, die alle angelsächsische Wurzeln haben, sich gegen Europa verbündet hätten, sei „blanker Unsinn“, so Hinrichs.
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