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UK-Hochzeitswahn

Der Austausch von Fangeisen der durchfaulten Windsor Dynastie wird zum Massenwahn. Eine unwichtige Hochzeit eines untergehenden Königreichs als globales Weltereignis. Auch in Deutschland gibt es kein Entrinnen: ARD&ZDF übertragen doppelt.

 


von Michael Mross

Eine Heirat in England war gewiss vor 200 Jahren ein wichtiges Ereignis. Die größte Seeräubernation der Geschichte spielte damals eine dominierende Rolle. Die halbe Welt war der Krone versklavt, die Bank of England diktierte die Geldpolitik. Aber heute?

Das einst so stolze Empire hat sich zu einem Drittweltland verwandelt. Der ehemalige Schatzmeister Brown verhökerte das britische Tafelsilber und Gold bereits Anfang des Jahrtausends zu Tiefstkursen. Das Empire ist am Ende. Außer ein bisschen sterbende Finanzindustrie und viele Überwachungskameras hat die Insel kaum noch was zu bieten.

Weil alles so trist ist, greift der Tommy gern zum Bier und schüttet sich die Pints gleich im Dutzend in den Rachen. Ab 3,5 Promille heißt es dann: God Save The Queen.

Wieso also dieses hysterische Mediengetöse? Ist die Hochzeit etwas, was irgendjemand außerhalb der verfaulten Royals interessieren muss? Protzige Gelage, Kammerzofen als Schattenkabinett, uneheliche Kinder und Scheidungskriege: Die Geschichte des englischen Königshauses hat viele Abgründe zu bieten. Doch die Schattenseiten des englischen Inzests werden heute nicht beleuchtet.

Angeblich verfolgen 2,5 Milliarden Menschen die Hochzeit des spröden Prinzen mit der farblosen Kate. Die Scheidung werden vermutlich weniger erleben. Und weil’s angeblich von überragender Wichtigkeit ist, übertragen die Propaganda-Maden der GEZ das Non-Event gleich doppelt. Steht zwar nicht im Programmauftrag – macht aber nix. Zahlt ja der Gebührenzahler. Sechs Stunden Hochzeits-TV am Stück, die unzähligen „Dokumentationen“ und Quasselrunden davor und danach nicht mitgerechnet. Programmauftrag oder Propaganda-Auftrag?

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