Ex-EZB-Chefvolkswirt hat eine Umschuldung Griechenlands mit Verbleib im Euro-Raum als „GAU" bezeichnet. Issing warnt vor Politikern als „Totengräber eines stabilen Euro". - Wenn Griechenland nach einer Umschuldung im Euroraum bleiben dürfe, hätte dies fatale Signalwirkung. „In Griechenland würden so gut wie alle Reformbemühungen eingestellt."
Der frühere Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Otmar Issing, hat eine Umschuldung Griechenlands mit Verbleib im Euro-Raum als „GAU" bezeichnet. „Bleibt Griechenland danach Mitglied in der Währungsunion und kann auf weitere Hilfen sowie Refinanzierung bei der EZB vertrauen, ist das Ende der Währungsunion eingeläutet", sagte Issing in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Dienstagsausgabe).
Issing sieht die Schuldenkrise in einer extrem kritischen Phase. „Griechenland wird seine Schulden nicht bedienen können. Simulationen, die etwas anderes zeigen, beruhen auf unrealistischen Annahmen. Ein massiver Schuldenschnitt ist also unvermeidlich."
Wenn Griechenland aber nach einer Umschuldung im Euroraum bleiben dürfe, hätte dies fatale Signalwirkung, warnt Issing. „In Griechenland würden so gut wie alle Reformbemühungen eingestellt. Das Land erhielte faktisch einen Freibrief, mit der verhängnisvollen Politik der Vergangenheit fortzufahren." Daraus folge, dass nach einigen Jahren ein weiterer Schuldenschnitts notwendig würde.
Und Griechenlands schlechtes Beispiel würde auf andere Schuldenländer abfärben. „Die unvermeidliche Ausbreitung auf andere Mitgliedstaaten wäre der wirkliche GAU. Kann man sich vorstellen, dass ein Land wie Irland dann seinen Kurs fortsetzt?", fragte Issing. „Wie soll die Regierung ihren Bürgern erklären, dass weitere harte Einschnitte notwendig sind, wenn es denn so viel leichter geht, indem man sich über die drastische Reduzierung der Schulden der Probleme entledigen kann."
Wenn die Staatschefs der Eurozone eine Umschuldung ohne Ausschluss aus der Währungsunion zuließen, sieht Issing, der Architekt der EZB-Geldpolitik, für die Währungsunion schwarz. „Dann wird eine Lawine losgetreten. Die Dynamik wird sich nicht mehr aufhalten lassen. Die Einladung, sich von einem großen Teil der Schulden zu befreien, wird sich für Länder mit hoher Staatsschuld als unwiderstehlich erweisen."
Zu den Ideen, die Schuldenkrise durch die Ausgabe von sogenannten Eurobonds (gemeinsamen europäischen Anleihen) zu bekämpfen, sagte Issing der FAZ: „Politiker, die mit solchen Maßnahmen die Währungsunion retten wollen, werden sich als Totengräber eines stabilen Euro erweisen. Deutschland wird finanzpolitisch an den Folgen dieser Politik ersticken."{jcomments off}
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