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DIW: Euro fliegt auseinander

DIW-Experte warnt vor Auseinanderbrechen der Euro-Zone wenn Frankreich sein Top-Rating verliert. Ein Verlust des AAA-Ratings könne „eine tragende Säule des Euro-Rettungsschirms ins Wanken bringen".

 

Der Forschungsdirektor für Internationale Makroökonomie am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Ansgar Belke, fürchtet ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone, sollte Frankreich sein Top-Rating verlieren. Belke begründete dies bei Handelsblatt Online mit der Bedeutung Frankreichs für den Euro-Rettungsfonds EFSF. Das Land stehe für den Fonds mit der mit Abstand zweithöchsten Garantiesumme grade.

Ein Verlust des AAA-Ratings könne daher „eine tragende Säule des Euro-Rettungsschirms ins Wanken bringen“, sagte Belke. „Entweder ergäbe sich bald ein Anlass zu einem ‚Step out’ Frankreichs als Garantiegeber des EFSF oder Frankreich bliebe aus Furcht vor Reputationsverlusten dabei, was zu einem schlechteren Rating der EFSF insgesamt und zu höheren Kosten der Kapitalaufnahme durch den Fonds führen würde“, erläuterte der Ökonom.


„Es würde somit alle bisherigen Versuche, die Euro-Schuldenkrise zu beruhigen, die zentral auf dem AAA-Rating einer hinreichend großen und wirtschaftlich potenten Zahl an Volkswirtschaften beruhen, konterkarieren. Folglich würde sich hierdurch im Extremfall auch die Wahrscheinlichkeit für das Auseinanderbrechen der Eurozone erhöhen.“

Nach Belkes Einschätzung könnte Frankreichs Top-Kreditwürdigkeit zudem durch drohende staatliche Stützungsmaßnahmen für den heimischen Bankensektor unter Druck geraten. Die gängigen Schätzungen des zusätzlichen Kapitalbedarfs der gerade herab gestuften BNP Paribas, der Société Générale und der Crédit Agricole in Höhe von bis zu 20 Milliarden Euro rechtfertigten zwar für sich genommen noch keinen AAA-Verlust. Es könne aber dann kritisch werden, wenn die Nachfrage nach zusätzlichem Kapital durch fundamental ungerechtfertigte Markterwartungen getrieben würden, etwa das in Spanien und Italien wie in Griechenland eine Staateninsolvenz bevorstehe. „Eine übermäßig hohe staatliche Mittelbereitstellung für die Rekapitalisierung der französischen Banken liefe deutlich den Bemühungen der französischen Regierung zuwider, das französische Budgetdefizit und die nächstes Jahr fast 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts betragende Staatsverschuldung abzubauen“, sagte der DIW-Experte.

Wenn Frankreich aber nicht binnen der nächsten fünf Jahre sein Budgetdefizit ausgleicht, werde es wohl endgültig sein AAA-Rating verlieren. „Zudem könnten zu stark ansteigende Eigenkapitalaufstockungen bei den Banken die fragile Konjunkturlage in Frankreich zum Kippen bringen“, warnte Belke. „Denn es würden weniger Kredite für französische Unternehmen zur Verfügung stehen, die zu 70 Prozent bei ihrer Finanzierung auf Bankkredite angewiesen sind.“

Eine weitere Gefahr für das französische Kreditrating könnte nach Belkes Ansicht durch eine Aufstockung des EU-Rettungsfonds EFSF lauern. Sollte der Rettungsfonds aufgestockt werden, müsste sich Frankreich entsprechend seiner Anteile beteiligen. Einige Experten sind der Meinung, dass dadurch die französischen Staatsfinanzen überstrapaziert würden. „Eine weitere Erhöhung der EFSF, die gegenwärtig politisch zumindest in der Öffentlichkeit nicht mehr diskutiert wird, würde mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Triple-A-Ranking Frankreichs ausschließen“, sagte DIW-Ökonom Belke. „Aber auch jede Hebelung des EFSF, die zu einer Erhöhung der Ausfallwahrscheinlichkeit der Garantien führt, wäre Gift für den Erhalt des AAA-Ratings Frankreichs.“
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