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Euro: Countdown zum Kollaps

Nein zu Eurobonds bedeutet Nein zum Euro. Ohne Eurobonds zerbricht die Gemeinschaftswährung. Ist das Nein der Regierung zu gemeinsamen Bonds deshalb ein Nein zum Euro? Der Countdown läuft: Ein Bruch des Euros bedeutet auch den Kollaps für das globale Geldsystem. Der Tag der Entscheidung rückt näher.

 


von Michael Mross

Der Markt fordert es, die Welt weiß es und die Regierung ist sicherlich auch darüber informiert: In Sachen Euro läuft die Zeit langsam ab. Wenn es beim EU-Gipfel am kommenden Wochenende keinen Durchbruch gibt, droht ein Zerfall des Euros und damit auch das Ende des globalen Geldsystems. Denn wenn der Euro bricht, beginnt eine endlose Lawine von unkontrollierbaren Kettenreaktionen im globalen Finanzsystem.

Umso erstaunlicher ist es, dass Berlin in Sachen Eurobonds hart bleibt. Ist dies ein heimliches Votum gegen den Euro? Anders kann man es eigentlich nicht interpretieren, denn eine Gemeinschaftswährung ohne gemeinsame Bonds kann nicht existieren, insbesondere jetzt nicht, wo es überall brennt.

Damit gehen wir in die letzte Runde der Geldsystemkrise. Und Berlin hält dabei quasi den Finger am Abzug: Ohne Eurobonds wird die Eurozone in den nächsten Wochen kollabieren und die ganze Welt in den Abgrund stürzen.

Doch wie dem auch sei, und wie schrecklich auch die Konsequenzen sein mögen: Die Menschen wollen keine Zentralregierung in Brüssel, sie wollen keine Fiskalunion, sie wollen keine Demokratiedefizite wegen Eurobonds. Die Zeit dafür ist nicht reif. Und damit ist der Euro bald Geschichte.

Die Eurozone ist jetzt schon quasi vom internationalen Kapitalmarkt abgeschnitten. Wer kauft schon Bonds einer Währung, deren Schicksal mehr als ungewiss ist? Das betrifft nicht nur die Südschiene, sondern dürfte auch immer mehr für Bundesanleihen zutreffen. Spätestens wenn hier die Zinsen dramatisch steigen, ist das Spiel aus.

Vor diesem Hintergrund ist es mehr als pikant, dass ausgerechnet Ex-Finanzminister Steinbrück davor warnt, jetzt Bundesanleihen zu kaufen. Er sagte heute in der BILD auf die Frage, ob er Staatsanleihen kaufen würde: “Als Privatmann würde ich meiner Bank einen solchen Auftrag nicht geben.“ – Das sollte man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Ein Ex-Finanzminister misstraut den eigenen Anleihen! Anleger, hört die Signale...

Nicht viel anders sind die Warnsignale aus der Bankenlandschaft. Die Commerzbank strauchelt, muss möglicherweise verstaatlicht werden. Und der Chef der Deutschen Bank warnt sogar vor einer Währungsreform – ein Zitat, dass an Wichtigkeit wohl kaum zu überbieten ist, in den Medien allerdings kaum hervorgehoben wurde. Wörtlich sagte Josef Ackermann vor dem Hintergrund der eskalierenden Eurokrise vor zwei Tagen bei einem Vortrag in Hamburg: "Seitdem müssen Besitzer von Staatsanleihen nicht mehr nur die Möglichkeit eines Schuldenschnitts, sondern sogar eine Währungsreform einkalkulieren."

Die Woche der Entscheidung naht. Eine Lösung ist nicht in Sicht. Die Schuldenlawine holt den Euro ein und wird ihn schließlich unter sich begraben. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass Dollar und Yen das gleiche Schicksal droht.

Sollte der Euro wirklich brechen – und noch nie standen die Zeichen dafür günstiger – dann ist es naiv, anzunehmen, dass andere Währungen überleben. Wenn der Euro bricht, bricht das globale Geldsystem. Die Weichen dafür werden kommende Woche gestellt.

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