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Süddeutschland ohne Gas

Süddeutschland bekommt nicht mehr genug Erdgas. Lieferengpass könnte auch Situation im Stromnetz weiter belasten. Es mussten bereits die Heizungen Schulen, im Hallenbad und in Verwaltungsgebäuden gedrosselt werden. Auch Industriekunden erhielten kein Gas mehr.

 

Die Energieversorgung in Süddeutschland hat sich deutlich verschlechtert. Weil zu wenig russisches Erdgas über Österreich nach Deutschland fließt, wurden nach Informationen der Tageszeitung „Die Welt“ (10. Februar) vielerorts bereits Industriekunden aufgefordert, ihre Kessel abzustellen oder auf einen anderen Brennstoff umzustellen. In einigen Gemeinden wurde auch Bürger aufgefordert, ihre Heizungen zu drosseln.

Die Stadtwerke Ettlingen bei Karlsruhe mussten beispielsweise bereits die Heizungen in den örtlichen Schulen, im Hallenbad und im eigenen Verwaltungsgebäude drosseln. Auch Industriekunden erhielten kein Gas mehr.

Die Stadtwerke Schramberg im Mittleren Schwarzwald forderten die rund 21 200 Bürger der Stadt auf, ihre Heizungen zu drosseln: „Wir müssen unsere Kunden bitten, trotz der extremen Kälte die Raumtemperatur etwas abzusenken“, sagt Geschäftsführer Peter Kälble. „Diese Bitte geht auch an die hiesigen Industrie- und Gewerbebetriebe.“ Durch diese Maßnahme reduziere sich der Gasverbrauch, was „zu einer leichten Entspannung führen soll“. Laut Stadtwerke-Chef sei die Versorgung „nicht unsicher, aber sie ist angespannt“.

Wie ein Sprecher des Pipeline-Betreibers Open Grid Europe auf Nachfrage der „Welt“ sagte, kommt am Bayerischen Gas-Übergangspunkt Waidhaus derzeit 25 bis 30 Prozent weniger Erdgas an. Grund sei möglicherweise erhöhter Eigenverbrauch in Russland. Zugleich sei die Nachfrage nach dem Brennstoff besonders hoch. Erdgas-Speicher befänden sich vor allem in Norddeutschland. Das Problem seien vor allem überlastete Pipeline-Kapazitäten zwischen Nord- und Süddeutschland.

Die Probleme in der Gasversorgung könnten auch die angespannte Situation im süddeutschen Stromnetz weiter belasten. In Karlsruhe musste das Gaskraftwerk RDK4 der EnBW AG bereits seinen Betrieb mangels Brennstoff einstellen. Nach Auskunft des Netzbetreibers Tennet wurden am Donnerstag zum zweiten Tag in Folge Reservekraftwerke in Österreich und in Deutschland hochgefahren, um das Netz stabil zu halten. Auch für Morgen sei bereits eine „Kaltreseserve“ von 600 Megawatt angefordert worden.

Eine Sprecherin des Netzbetreibes sagte, man erwarte für den Nachmittag nur ein geringes Windkraft-Aufkommen. Zugleich falle die Fotovoltaik-Leistung dann aus. Der Markt frage zudem derzeit große Strommengen für den Export nach Frankreich nach. Weil in Frankreich besonders viele Haushalte mit Strom beheizt werden, kann das Land seinen Elektrizitätsbedarf derzeit nicht mehr allein decken. Die Sportmarktpreise für Elektrizität sind deswegen in den vergangnene Tagen rasant gestiegen, was den Export nach Frankreich besonders attraktiv mache.

Die anhaltende Kältewelle und Gazprom Lieferschwierigkeiten bringen die deutschen Stromnetze an die Belastungsgrenze: Gestern beugten bereits die vier Übertragungsnetzbetreiber drohenden Stromausfällen vor. Die Situation sei aber im Griff. Stefan Vogg, Vorstandsmitglied bei Eon Ruhrgas hatte erst gestern gesagt, dass sein Unternehmen allen Lieferverpflichtungen nachkommen. Einige Gaskraftwerke haben aber Verträge, die ihren Lieferanten gestatten, sie nachrangig zu bedienen.

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