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Krise: Ökonomen haben grandios versagt

Ökonomenstreit um Straubhaars Radikalkritik entbrennt. "Die neoklassische Finanzmarktökonomie hat bei der Prognose der Finanzkrise 2007/8 grandios versagt, aber nicht die gesamte Ökonomie"

 

Wirtschaftswissenschaftler streiten über die Thesen des Hamburger Ökonomen Thomas Straubhaar. Wie die Financial Times Deutschland (Montagsausgabe) berichtet, gibt es unter Ökonomen einen handfesten Richtungsstreit. Straubhaar hattte mit seinem FTD-Interview vor zwei Wochen für Aufruhr unter deutschen Wirtschaftswissenschaftlern gesorgt. Hintergrund der Debatte ist der Umbruch in den Wirtschaftswissenschaften. Die Finanzkrise hat viele Grundannahmen der gängigen Wirtschaftslehre in Frage gestellt. In Deutschland tat man sich mit diesem Umbruch lange schwerer als andernorts. Doch nun scheint sich etwas zu tun, es brodelt zwischen München und Kiel.

Peter Bofinger, Sachverständiger, sagte: "„Straubhaar hat recht mit seiner Kritik, dass die Versuche, aus der Ökonomie eine Naturwissenschaft zu machen, dem Ansehen der Wirtschaftswissenschaft geschadet haben." Auch Joachim Goldberg, Geschäftsführer Cognitrend, sagte: „Die Thesen von Herrn Straubhaar sprechen mir voll aus dem Herzen. Viele Ökonomen in Deutschland sind nicht offen für Veränderung. Es wird viel zu wenig interdisziplinär gearbeitet."

Andere widersprechen – zum Beispiel der deutsche Princeton-Professor Markus Brunnermeier: „Ich bin weniger pessimistisch – die Ökonomie hat schon viel von anderen Fächern aufgenommen und bietet in vielerlei Hinsicht eine gute Analyse.“
 Bert Rürup, Vorstand MaschmeyerRürup, sagte „Thomas Straubhaars spricht von einem Scheitern „der“ Ökonomie. Dieser Vorwurf ist zu pauschal. Die neoklassische Finanzmarktökonomie hat bei der Prognose der Finanzkrise 2007/8 grandios versagt, aber nicht die gesamte Ökonomie und erst recht nicht die empirische Wirtschaftsforschung, der Hoffnungsträger unser Disziplin."

Clemens Fuest, Professor an der Universität Oxford und designierter Präsident des ZEW-Instituts, sagte:  „Alles in allem braucht es keine grundsätzliche Neuordnung der Volkswirtschaftslehre. Besonders die Mikroökonomik kann einige Erfolge vorweisen. Die Kritik an der Makroökonomik ist da schon eher berechtigt. Es braucht mehr Experten, die einzelne Teilaspekte zu einem großen Bild zusammenfügen können."


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