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Wachstum: Frankreich erteilt Deutschland zweifelhafte Lektion

„Europa hat keine Strategie für Wachstum“ -Starökonom Philippe Aghion verteidigt die Wirtschaftspläne des französischen Präsidentschaftsanwärters Francois Hollande. Um die Anpassungen in den Euro-Südländern zu unterstützen, solle auch Deutschland größere Anstrengungen unternehmen, forderte der Experte.

 

Der renommierte Harvard-Ökonom Philippe Aghion, der auch den französischen Präsidentschaftskandidaten Francois Hollande berät, hat Befürchtungen widersprochen, Hollande wolle im Falle eines Wahlsiegs die Euro-Krisenpolitik auf den Kopf stellen. „Es geht Hollande nicht darum, den EU-Fiskalpakt neu zu verhandeln“, sagte Aghion der Financial Times Deutschland (Dienstagsausgabe). „Aber es ist offensichtlich, dass Europa keine Strategie für Wirtschaftswachstum hat – und dort will Hollande den Vertrag vervollständigen.“ Um die Anpassungen in den Euro-Südländern zu unterstützen, solle auch Deutschland größere Anstrengungen unternehmen, forderte der Experte.
 
Wirtschaftliches Wachstum sei notwendig für die Euro-Zone, um die öffentlichen Finanzen in den kommenden Jahren in Ordnung zu bringen. „Wenn die Euro-Wirtschaft nicht wächst, könnte die geforderte Haushaltsdisziplin langfristig nur halb so nachhaltig sein“, so Aghion. Die Euro-Wirtschaft rutsche 2012 wieder in die Rezession. „Zudem blicken die internationalen Ratingagenturen nicht nur auf die öffentliche Haushaltslage, sondern bewerten auch die Wachstumsperspektiven eines Landes.“

„Um den südlichen Euro-Ländern die strukturelle Anpassung zu erleichtern, könnte auch Deutschland einige Anstrengungen unternehmen“, sagte Aghion. Da die Löhne in Deutschland in den vergangenen Jahren kaum gestiegen seien, übe das Land einen nicht tragbaren Wettbewerbsdruck aus, der „die Entwicklung in den südlichen Ländern hemmt“, kritisiert Aghion. „Die Forderungen der deutschen Gewerkschaften nach Lohnerhöhungen werden anderen Ländern eine Verschnaufpause verschaffen, während die resultierende leichte Inflation für Deutschland nicht gefährlich werden dürfte.“ Wenn das Preisziel für die Euro-Zone bei knapp zwei Prozent liegt, sollten einige Länder eine Inflationsrate haben, die darüber liegt, sagte Aghion.

Trotz der unterschiedlichen politischen Ausrichtung sollten Hollande und Bundeskanzlerin Angela Merkel gut miteinander auskommen, glaubt Aghion: „Für Merkel sollte es einfacher sein, mit Hollande zu arbeiten, zumal er kein Angeber ist, der sein Gesicht ständig in den Medien sehen will.“ Für Europa wäre es gut, wenn Merkel und der neue französische Präsident ihre Beziehung nicht mit Misstönen beginnen würden. Spekulationen um einen Ministerposten wies Aghion derweil zurück. Seine eigene Zukunft sieht er in der Wissenschaft: „Ich war immer Akademiker. Forschungsarbeiten zu schreiben und Studenten zu beraten ist das, was mir am besten gefällt.“

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