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IKEA Zwangsarbeiter fordern Entschädigung

DDR-Zwangsarbeiter fordern Entschädigung von IKEA. „Der Hinweis, man habe davon nichts gewusst, entbindet nicht von der Verantwortung, an der Ausbeutung politischer Häftlinge mitgewirkt zu haben.“


Ehemalige politische Gefangene der DDR haben den schwedischen Möbelhersteller IKEA dazu aufgefordert, sie finanziell für ihre Zwangsarbeit bei dem Konzern zu entschädigen. „IKEA soll ehrlich sein und sagen, wie viele Zwangsarbeiter genutzt wurden. Wenn der Konzern einen wirtschaftlichen Vorteil von diesem Arrangement hatte, dann sollte man auch über eine Entschädigung sprechen“, sagte Dieter Ott dem Handelsblatt (Freitagausgabe). Ott kam 1986 in Haft, weil er sich als 22-Jähriger kritisch gegen die Reisebeschränkungen in der DDR geäußert hatte.

Die Bedingungen, unter denen er Schrankscharniere, Türgriffe und Stuhlroller für IKEA herstellte, beschreibt Ott als menschenunwürdig. „Der Bus, der uns zur IKEA-Arbeit brachte, war vergittert. Wir fuhren durch ein großes Metalltor, und sobald wir in dem Gebäude waren, gab es nur noch Neonlicht. Kein Fenster, ke! ine Sonne.“ Das Geld, das Ott sich erarbeitet hatte, wurde nach seinen Angaben bei seiner Ausreise einbehalten.

Hubertus Knabe, der Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, forderte IKEA zum Handeln auf. „Wenn sich die Vorwürfe bestätigen, dass IKEA von der Häftlingsarbeit in der DDR profitiert hat, dann muss das Unternehmen die Betroffenen entschädigen“, sagte der Historiker. „Der Hinweis, man habe davon nichts gewusst, entbindet nicht von der Verantwortung, an der Ausbeutung politischer Häftlinge mitgewirkt zu haben.“ Knabe forderte zugleich, dass die Stasi-Unterlagen-Behörde den Vorwürfen nachgeht.

Neben IKEA haben auch andere westliche Konzerne für ihre Produktion auf ostdeutsche Zwangsarbeiter gesetzt. Die ehemalige DDR-Gefangene Tatjana Sterneberg berichtet im Handelsblatt, wie sie zwischen 1974 und 1976 als Inhaftierte des berüchtigten Frauengefängnisses Hoheneck Bettwäsche für Quelle und Neckermann näh! en musste. „Es war schrecklich“, erinnert sich Sterneberg. „In einem auf 650 Gefangene konzipierten Zuchthaus saßen 1974 über 1600 Frauen ein. Meine Zelle war 30 Quadratmeter groß, hatte 24 Schlafplätze. Es gab drei Wasserhähne und nur eine Toilette.“

Nach Sternebergs Angaben galt in dem Frauengefängnis ein eisiges Regime. „Manche Häftlinge haben wegen der Misshandlungen auch die Arbeit verweigert oder sind in den Hungerstreik getreten. Dann wurde im Einzel- oder strengen Arrest das Wasser abgedreht: Dunkler Keller, 200 bis 300 Gramm Brot pro Tag, jeden vierten Tag eine warme Suppe“, erzählt Sterneberg. Sie habe Quelle schon vor vielen Jahren angeschrieben, um eine Entschuldigung zu erhalten, aber keine Antwort bekommen. „Ich finde es empörend, dass sich diese Westfirmen auf dem Rücken der politischen Gefangenen der DDR bereichert haben. Das ist eine Schande.“
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