Die EZB-Präsidentin Christine Lagarde sprach gestern in Berlin beim 75-Jahre-Empfang des Bundesverbands deutscher Banken Klartext.
Von Meinrad Müller
Lagarde gab endlich zu, was viele längst befürchtet haben, doch die Warnung kommt viel zu spät. Vor hunderten Bankern und mit Bundeskanzler Friedrich Merz im Saal legte sie die Karten auf den Tisch.
1. Jahrelang schöngeredet – jetzt plötzlich Panik?
Jahrelang hat ihre Politik der billigen Geldschwemme und der grünen Energiewende die fatale Abhängigkeit von unsicheren Lieferländern mit aufgebaut. Nun räumt sie ein: Die alten Sicherheiten zerbrechen. Europa steht vor einer harten Bewährungsprobe. Viel wirklich Neues hat sie allerdings nicht gesagt – die Fakten zum Hormus-Konflikt sind bekannt.
2. Der Alltag wird teurer und knapper
Selbst mit umgeleiteten Pipelines in Saudi-Arabien und Reserven bleibt ein riesiger Ausfall. Die Internationale Energieagentur nennt es die größte Öl-Störung der jüngeren Geschichte.
Hält der Konflikt an, droht echte Rationierung an Tankstellen. Höhere Transportkosten machen Lebensmittel, Pakete und Handwerkerrechnungen teurer. Der tägliche Einkauf und der Alltag werden spürbar belastet.
3. Flüge teurer, Urlaub in Gefahr – die Elite trifft es auch
Kerosinpreise verdoppelt – Flughäfen rationieren bereits. Der Preis für Flugkerosin hat sich seit Ausbruch des Konflikts ungefähr verdoppelt. An einzelnen europäischen Flughäfen wird seit Anfang April bereits rationiert. Urlaubsflüge oder Geschäftsreisen werden teurer oder knapp.
Lagarde nannte drei kritische Lieferketten
Ein Drittel der Düngemittel-Transporte (weniger Ernten, teurere Lebensmittel), ein Drittel des weltweiten Heliums (Probleme für Medizin und Elektronik) sowie ein Fünftel der Methanol-Produktion (teurere Chemie- und Kunststoffwaren). Das Zusammenspiel aus teurer Energie und teureren Nahrungsmitteln könnte eine neue Inflationswelle auslösen.
4. Banken in Alarmbereitschaft – droht die große Kreditklemme?
Die harten Worte: Regierungen können nicht mehr jeden Schock mit Milliarden subventionieren. Für viele klingt das nach dem alten Rezept: mehr Brüssel statt weniger Abhängigkeit.
Spannend wird vor allem, wie die Banken reagieren. Lagarde erzählte wenig Neues, doch für die Kreditinstitute ist die Botschaft hart: Sie werden die Kreditvergabe wahrscheinlich einschränken und laufende Kredite an energieabhängige Branchen streng prüfen. Scheitert die Wirtschaft in großen Teilen, drohen Milliarden an Forderungen, die abgeschrieben werden müssen. Das könnte die Kreditklemme noch verschärfen und viele Betriebe zusätzlich in die Enge treiben.
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