Auf der weltgrößten Automesse in Peking wurden E-Modelle vorgestellt, von denen wir in Deutschland nur träumen können. Die Billig-E-Karren finden reißenden Absatz und gefährden die deutsche Autoindustrie.
Von Meinrad Müller
Der Geely EX2 ab rund 10.060 Dollar, der Wuling MiniEV ab 6.560 Dollar und der BYD Seagull ab 10.200 Dollar. Praktische Elektro-Kleinwagen, die in China bereits echte Massenware sind.
Vier Personen plus einen Sack Kartoffeln
China macht gerade genau das nach, was Charles de Gaulle nach dem Zweiten Weltkrieg für Frankreich wollte. Er forderte ein günstiges, robustes Auto für das einfache Volk – vier Personen plus einen Sack Kartoffeln. Daraus entstand der legendäre Citroën 2CV, von dem über 5,1 Millionen Exemplare gebaut wurden. Heute bringen chinesische Hersteller Millionen Normalverdienern genau diese bezahlbare Mobilität.
Geely EX2: Fast eine halbe Million in einem Jahr
Allein der Geely EX2 verkaufte sich 2025 rund 466.000 Mal und war das meistverkaufte Auto Chinas. Der Wuling Hongguang MiniEV kam auf über 435.000 Einheiten. Die Nachfrage ist da – ohne große Werbung, einfach weil der Preis stimmt. Ganz ähnlich wie beim Discounter im Lebensmittelbereich: Wenn das Angebot passt, greifen die Menschen zu.
Keine Fernreisen, aber Alltagsmobilität
Diese Billig-E-Autos sind nicht für Autobahnfahrten quer durch Europa gedacht. Ihre Reichweite liegt oft zwischen 200 und 300 Kilometern – völlig ausreichend für den täglichen Pendelverkehr, Einkäufe, den Weg zur Arbeit oder zum Arzt. Sie bringen praktische, bezahlbare Mobilität vor Ort, genau dort, wo die meisten Menschen sie wirklich brauchen.
Warum 496 Millionen Euro bilaterale Entwicklungshilfe an China?
Während Deutschland 2025 noch 496 Millionen Euro an China zahlte, baut das Land heute bezahlbare Autos für seine Bürger. Die Zeiten der „Schüssel Reis pro Tag“ sind längst vorbei. Stattdessen wird dort Realität: Ein Auto fürs Volk. Was Ludwig Erhard einst versprach – Wohlstand für alle – erfolgt in Form bezahlbarer Autos. Statt Freiheit auf vier Rädern droht bei uns für viele lebenslange Abhängigkeit von Bus und Bahn, Moped und Lastenfahrrad.
Persönliche Freiheit oder Zwei-Klassen-Mobilität?
Wären diese günstigen E-Kleinwagen auch in Deutschland erhältlich, würden sie den Lebensstandard und die individuelle Mobilitätsfreiheit für Millionen spürbar erhöhen. Plötzlich wären viele Jobs und Ziele erreichbar. Und der Wochendausflug an einen See mit Biergarten, an dem weder Bus noch Bahn halten.
Dazu wäre in Stufe eins eine andere Regierung nötig.
Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p



