In den Golfstaaten wächst nichts, was man essen kann. Kein Weizen, kein Obst, kein Gemüse. Der Boden gibt nichts her, alles was auf den Tisch kommt, kommt per Containerschiff.
Von Meinrad Müller
Bislang kam alles Essen durch eine schmale Meerenge. Die Straße von Hormus war die Lebensader. Schiffe brachten Reis, Fleisch, Milch, Früchte. Tag für Tag, still und zuverlässig.
Millionen Menschen sind darauf angewiesen. In den Emiraten mehr als elf Millionen. Dazu kamen jedes Jahr Millionen Gäste. Sie essen in Hotels hoch über der Stadt. Jedes Menü ist das Ergebnis einer langen Lieferkette.
Was tun, wenn die Ernährung torpediert wird?
Die großen Frachter bleiben draußen. Reeder drehen ab. Versicherer ziehen sich zurück. Der Nachschub fehlt. Was im Regal liegt, ist Vorrat. Hamsterkäufe sind zu beobachten. In den Hotels werden die Büffets kleiner.
Die Geschichte kennt Aushungern als Kriegstaktik
Nur ein Beispiel: Augsburg im Jahr 1632. Die Stadt war stark, reich, gut befestigt. Doch vor den Toren stand das schwedische Heer. Es ließ nichts mehr hinein. Kein Korn, kein Vieh, keine Milch, keine Eier. Die Menschen hielten aus, solange die Speicher gefüllt waren. Dann kam der Hunger.
Nicht die Kanonen entschieden. Der leere Magen tat es.
Erleben wir heute eine ähnliche Situation? Heute steht kein Heer vor den Mauern. Eine schmale Passage, wie ein Stadttor, und doch der Schlüssel für eine ganze Region.
Die Emirate haben Ausweichrouten. Lastwagen aus Saudi-Arabien rollen. Flugzeuge bringen Ware ein, wenn sie denn fliegen dürfen. Doch die Mengen sind klein. Was ein Schiff beibringt, schafft keine Kolonne auf der Straße. Was in der Luft kommt, ist teuer und knapp.
Die ersten Folgen zeigen sich: Preise steigen. Auswahl sinkt. Frische wird zum Luxus. Wer wenig hat, merkt es zuerst. Wer viel hat, etwas später.
Eine mittelalterliche Belagerungstechnik kehrt ein, an die vor Kriegsbeginn wohl niemand dachte.
Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p



