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Doofe Kinder: Was Hänschen nicht lernt, hätte der Staat frühzeitig erkennen können

Wenn Kinder schon in der Grundschule am Rechnen scheitern, zahlt später die Wirtschaft und die Gesellschaft den Preis. Dabei gibt es Hilfe, wenn man früh genug hinsieht.

Von Meinrad Müller

Der Markt hat kein Mitleid mit Rechenschwäche

Die deutsche Wirtschaft klagt über fehlende Fachkräfte. Gleichzeitig verlassen zu viele junge Menschen die Schule, ohne sicher rechnen zu können. Das klingt nach einem Schulproblem. In Wahrheit ist es ein Wirtschaftsproblem.

Wer Zahlen nicht versteht, Brüche nicht begreift und bei Prozenten ins Schwimmen kommt, steht später im Betrieb vor einer Wand. Da geht es nicht um höhere Mathematik. Da geht es um Dreisatz, Maße, Mengen, Gewichte und einfache Umrechnungen. Genau daran hängt im Betrieb oft der ganze Arbeitstag.

Laut DIHK melden 43 Prozent der Betriebe häufige Mängel bei den einfachen Rechenfähigkeiten junger Bewerber. In der Industrie ist es sogar mehr als jeder zweite Betrieb. Damit leuchtet längst nicht mehr ein kleines Warnlämpchen, sondern Blaulicht.

Die Schule kann nicht jedes Kind retten

Lehrkräfte leisten viel, aber große mehrsprachige Klassen sind kein Therapieraum. Wenn ein Kind beim Rechnen früh den Anschluss verliert, kann sich die Lehrerin nicht jeden Tag eine Stunde daneben setzen. Der Unterricht läuft weiter. Das Kind bleibt zurück. Erst leise, dann sichtbar, später mit voller Wucht.

Der IQB-Bildungstrend (Humboldt-Universität zu Berlin), zeigte bereits bei Viertklässlern: Rund jedes fünfte Kind verfehlte den Mindeststandard in Mathematik. Das ist ein Alarmsignal für Eltern, Schulen und Betriebe.

Wer dort abrutscht, trägt dieses Problem oft jahrelang mit sich. Später wundern sich alle, warum Bewerber im Einstellungstest scheitern oder Azubis in der Berufsschule nicht mitkommen.

Rechnen lernen mit Lego, Bananen und Gummibärchen

Genau hier müssten Rechentherapeuten viel früher einbezogen werden. Die kleinen Patienten dieser Therapeuten gehen meist in die zweite bis zur vierten Klasse. Genau dann ist noch die große Chance da, das Ruder herumzuwerfen. Für das Kind, für die Eltern, für die Schule und für den ganzen weiteren Lebensweg.

Rechenschwäche ist kein Charakterfehler und keine Faulheit. Viele Kinder brauchen nur einen anderen Zugang zu Zahlen. Gespräche mit Rechentherapeuten zeigen: Spielerisches Rechnen mit Lego-Steinen, Bananen oder Gummibärchen kann großartige Erfolge bringen.

Kinder, die vorher dichtmachten, begreifen plötzlich Mengen, Abstände, Teilen und Zusammenzählen. Aus Angst wird Zutrauen. Aus blindem Raten wird echtes Verstehen. Genau das ist der Punkt, von dem viele Eltern noch nie gehört haben: Es gibt Hilfe. Man muss sie nur früh genug holen.

Der Staat hätte das erkennen können. Die Schule sieht es oft, kann es aber allein kaum auffangen. Eltern können es heute erkennen. Und genau dort beginnt die Rettung bei der Suche nach dieser Therapie, auch wenn diese von der Kasse noch nicht übernommen wird.

Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p

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