Wenn Verteidigungsminister Boris Pistorius und Generalleutnant Holger Neumann am 12. Juni 2026 so Seit’ an Seit’ schreiten, dann zittern in Moskau die Knie. Denkste! Eher wird ein Lachanfall provoziert.
Von Meinrad Müller
„Heute Nacht sind wir bereit“, sagt der General
Das ist rein rechnerisch etwas früher als 5 Uhr fünfundvierzig. Der russische Bär, der mit nur fünf seiner rund 5400 Atomsprengköpfe Deutschland pulverisieren könnte, wird mit einer Straußenfeder gekitzelt.
Generalleutnant Neumanns große Nacht
Der Chef der deutschen Luftwaffe, Generalleutnant Holger Neumann, hat sich im Interview mit der britischen Zeitung The Telegraph richtig in Rage geredet. Er droht ganz unverblümt mit vernichtenden Angriffen auf Kaliningrad, Sankt Petersburg, Murmansk und die Schwarzmeerflotte.
Das klingt nicht nach Verteidigung, das klingt nach „heute Nacht hauen wir drauf“. Pistorius steht daneben und nickt artig. Ob dabei auch die Kola-Halbinsel mit ihren Atom-U-Booten mit draufgeht? Egal. Hauptsache die Message sitzt. In Moskau halten die sich wahrscheinlich schon den Bauch vor Lachen. Denn wer solche Ziele ins Visier nimmt, riskiert nach russischer Logik ziemlich direkt den großen Knall.
USA macht dicke Geschäfte mit Russland
Gleichzeitig macht Washington munter dicke Geschäfte mit Russland. Die amerikanischen Atomkraftwerke laufen weiterhin fleißig mit russischen Brennstäben von Rosatom. Laut Reuters kommen etwa 20 bis 24 Prozent des angereicherten Urans, das die US-Reaktoren brauchen, immer noch aus russischer Produktion.
Und den Hauptlieferanten von Kernbrennstoff der USA angreifen? Das würde gar nicht gern gesehen.
Auch russisches Öl, das wir in Europa nicht importieren dürfen, findet trotzdem seinen Weg in die USA, vor allem über Umwege mit raffinierten Produkten aus Indien und der Türkei. Der Kreml kassiert, Washington tankt, und wir Deutschen dürfen heldenhaft frieren und mit dem Finger auf der Militärkarte herumfuchteln. Neumann faselt von „allen Kräften der NATO“ – nur blöd, dass der große Bruder genau diese Kräfte gerade kräftig ausdünnt.
Während Berlin droht, zieht Washington den Stecker
Deutschland marschiert also mutig vorneweg in den Russlandfeldzug 2.0, per Knopfdruck und mit viel Brustton der Überzeugung. Die Amerikaner haben erst gestern angekündigt, ihre NATO-Unterstützung massiv zurückzufahren: weniger Jets, weniger Tanker, der Fokus wandert Richtung Asien. Wir bleiben mit unserer ganzen Droh-Kulisse ziemlich allein zurück im dunklen germanischen Eichenwald. Neumann verspricht alles Mögliche, die Amis zucken nur mit den Schultern und packen schon mal die Koffer. Besser hätte das Timing für eine Satire kaum laufen können.
Straußenfeder gegen russische Atom-U-Boote
Am Ende wirkt das Ganze einfach nur noch tragikomisch. Ein Minister und ein General posieren Seit’ an Seit’, als wäre die Bundeswehr startklar für den ganz großen Wurf. In Wirklichkeit ist bei uns schon nach ein paar Tagen die Munition alle. Russland hat tausende Atomsprengköpfe, wir haben einen schicken Interviewtermin in London. Der russische Bär gähnt ausgiebig, dreht sich um und pennt weiter. Bei uns heißt es trotzdem tapfer: „Heute Nacht sind wir bereit.“ Ja klar. Bis morgen früh der Wecker klingelt und jemand merkt, dass der ganze Knopfdruck-Feldzug hauptsächlich nur in den Zeitungen stattfindet.
Wer nicht auf dem Boden der Tatsachen stramm stehen kann, der steht dann wenigstens in der Zeitung.
Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p



