Die Iraner im Land und in der Diaspora sind enttäuscht und wütend. Der Krieg hat über 100 Tage gedauert.
Zu Beginn hatte Trump noch erklärt, dies sei die große Chance für das iranische Volk, sich sein Land zurückzuholen. Viele haben das ernst genommen.
Von Meinrad Müller
Jetzt steht das Abkommen: Waffenruhe, die Hormus-Straße ist wieder offen, Sanktionen werden gelockert. Das Regime unter Mojtaba Chamenei wirkt stabiler als zuvor. Die Opposition bleibt außen vor oder landet am Baukrahn.
Reza Pahlavi: „Trump hat uns eiskalt an die Mullahs verraten“
Der bekannteste Regimegegner im Exil und Sohn des letzten Schahs kritisiert den Deal scharf. Die Opposition wurde bei den Verhandlungen komplett übergangen. Es gab zwar Kontakte zur US-Regierung, aber am Tisch saßen nur die Mullahs.
Menschenrechte haben offensichtlich kein Preisschild in Dollar
Die Rechnung ohne das Volk gemacht
Genau das empört die Opposition am meisten. Trump und die Mullahs verhandeln über die Zukunft Irans, als würde das iranische Volk nicht existieren – jene Menschen, die seit Jahren ihr Leben riskieren, um das Regime zu stürzen.
Vom Massenmord zur stillen Hinrichtung
Im Januar-Aufstand 2026 wurden bis zu 40.000 Menschen von Regime-Truppen getötet. Nun hat das Regime die Taktik geändert. Statt offener Massaker auf der Straße setzt es auf gezielte Hinrichtungen und systematische psychologische Zermürbung. Seit März wurden mindestens 20 Menschen exekutiert. Die Botschaft ist eindeutig: Wer aufbegehrt, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern die ganze Familie.
Europa: Große Worte, null Rückgrat
Berlin, Paris und London reden von Menschenrechten und Frauenrechten. Als das iranische Volk genau dafür auf die Straße ging und tausende ermordet wurden, waren sie plötzlich unsichtbar.
Besonders bitter sind die Bilder von Claudia Roth und Frank-Walter Steinmeier, wie sie mit Vertretern des Mullah-Regimes lachten. Diese Fotos gingen damals um die Welt. Für viele Iraner ist das der Beweis: Das ständige Gerede über Werte ist nichts als leere Rhetorik.
„Jetzt ist der Moment, das Regime zu beenden“
In einem Interview mit dem französischen Sender LCI und dem Figaro Magazine betonte Reza Pahlavi: „Das Regime ist angeschlagen. Jetzt ist nicht die Zeit für Kompromisse, sondern für klare Unterstützung des iranischen Volkes. Wir dürfen dem verwundeten Tier keine Atempause geben.“ Für ihn geht es nicht um eine neue Monarchie, sondern um eine echte freie Entscheidung des Volkes: säkular, demokratisch, ohne Zwangsschleier und ohne Revolutionswächter. Pahlavi sieht sich nicht als neuen Herrscher, sondern lediglich als Brücke für einen geordneten Übergang.
Eine klassische Rechnung ohne den Wirt
Der Deal fühlt sich für die Opposition an wie eine klassische Rechnung ohne den Wirt – nur dass der Wirt diesmal das iranische Volk ist. Eine Atempause für das Regime, bezahlt mit dem Blut und dem Leid der eigenen Menschen. Die Wut ist spürbar, ob daraus neue Protestwellen entstehen, bleibt abzuwarten. Die Entschlossenheit vieler Iraner, irgendwann wirklich frei zu sein, ist jedoch ungebrochen.
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