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Euro Liraisierung

Ökonom wirft EZB „Liraisierung des Euro“ vor. „Früher oder später wird sich die Aufkaufs- und Geldvermehrungspolitik wie ein Tintenfleck ausbreiten – bis der ganze Zinsmarkt de facto kontrolliert ist und die Geldmengenausweitung aus dem Ruder gerät.“


Der Frankfurter Wirtschaftsforscher Thorsten Polleit hat scharfe Kritik an der derzeitigen Krisenpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) geäußert und der Bundesregierung dafür eine Mitverantwortung gegeben. Die Politik habe EZB-Präsident Mario Draghi bereits einen „Freifahrtschein für eine Inflationspolitik“ gegeben. „Der EZB-Rat greift jetzt zu einer Geldpolitik, die vermutlich am besten als Liraisierung des Euro bezeichnet werden kann“, sagte der Honorarprofessor an der Frankfurt School of Finance & Management Handelsblatt Online mit Blick auf geplante neue Interventionen der EZB. Schon die Wortwahl „Anleihekaufprogramm“ lenke von der eigentlichen Konsequenz der anvisierten EZB-Politik ab, sagte Polleit: „Der Anleihekauf dient einzig und allein der Geldmengenausweitung, die früher oder später in steigende Preise mündet und die Kaufkraft des Euro schmälert! .“

Polleit ist sich sicher, habe die Zentralbank erst einmal begonnen, die Geldmenge auszuweiten, würden immer größere Geldmengenausweitungen folgen müssen. „Es wird also nicht bei Käufen kurzfristiger Anleihen, wie vom EZB-Rat angedacht, bleiben“, sagte der Ökonom. „Früher oder später wird sich die Aufkaufs- und Geldvermehrungspolitik wie ein Tintenfleck ausbreiten – bis der ganze Zinsmarkt de facto kontrolliert ist und die Geldmengenausweitung aus dem Ruder gerät.“

Harsche Kritik äußerte Polleit in diesem Zusammenhang an der Haltung der Bundesregierung zu dem für seine Vorbehalte gegenüber der EZB-Krisenpolitik bekannten Bundesbankpräsident Jens Weidmann. „Es ist auffällig, wie allenfalls lauwarm und halbherzig die Bundesregierung unter Angela Merkel die Bundesbank öffentlich stärkt“, sagte Polleit. „Meine Interpretation ist: Die Bundesregierung unter Kanzlerin Angela Merkel unterstützt die stabilität! sorientierte Geldpolitik á la Deutsche Bundesbank nicht mehr.“

Die Kanzlerin und ihr Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wüssten, solle der Euro überdauern, müsse seine Kaufkraft „drastisch entwertet“ werden. „Vor die Wahl gestellt, den Euro scheitern zu lassen oder seine Kaufkraft zu opfern, entscheiden sie sich für Letzteres und gegen Ersteres.“
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