Wirtschaftsermittler macht Jagd auf argentinische Konten. Enttäuschte Anleger wollen Staatsbesitz in der EU pfänden lassen. - Hinter der Gruppe der Auftraggeber stecke unter anderem ein Industrieller, der einen zweistelligen Millionenbetrag mit argentinischen Staatsanleihen verloren habe.
Im Auftrag von deutschen Privatanlegern soll ein Wirtschaftsermittler argentinisches Staatsvermögen in der Europäischen Union ausfindig machen und pfänden lassen. Das berichtet die Financial Times Deutschland (Dienstagsausgabe). Der durch die Kopfgeldjagd auf den Börsenspekulanten Florian Homm bekannt gewordene Josef Resch und seine Wirtschaftsfahndung Wifka haben über einen Anwalt das Mandat erhalten. Hinter der Gruppe der Auftraggeber stecke unter anderem ein Industrieller, der einen zweistelligen Millionenbetrag mit argentinischen Staatsanleihen verloren habe. Resch soll Hinweisen nachgehen, dass Argentinien auf Konten europäischer Banken Vermögen hortet.
Im Jahr 2002 meldete Argentinien Zahlungsunfähigkeit an. Zuvor hatten etwa eine halbe Million privater Kleinanleger weltweit für über 100 Mrd. Dollar Staatsanleihen gezeichnet, darunter tausende Deutsche. Durch die Staatspleite gingen sie leer aus. Zweimal bot Argentinien eine Umschuldung an, 2005 und 2010. Sie mussten allerdings auf 75 Prozent ihrer Einlagen verzichten. Über 90 Prozent nahmen das Angebot in Anbetracht eines drohenden Totalverlusts an. Die restlichen zogen vor Gericht und bekamen Recht. Selbst das Bundesverfassungsgericht bestätigte 2007 den Anspruch der Anleger auf ihre Investitionen. Doch Argentinien weigert sich bis heute zu zahlen.
Ein Urteil aus den USA macht den deutschen Gläubigern jetzt Hoffnung. In New York verurteilte ein Richter Argentinien, die über zehn Jahre alte Anleiheschulden in Milliardenhöhe bei US-Hedge-Fonds zu begleichen. Als direkte Folge hat die Ratingagentur Fitch die Bonitätsnote für langfristige argentinische Staatsanleihen in fremder Währung bereits um fünf Stufen von „B“ auf „CC“ herabgesetzt.



