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Bankrun in Zypern

Tausende von Sparern in Zypern versuchten am Samstag, ihr Geld abzuheben oder umzubuchen. Doch der Bankrun war vergeblich. Guthaben wurden eingefroren, die Banken machen dicht, auch online funktionierte nichts mehr. 

 

Bankrun in Zypern. Es kam besonders zu einem Ansturm auf Genossenschaftsbanken, die auch am Samstag geöffnet sind. Hintergrund: Sparer und Bankkunden werden bis zu 9,9% am Rettungspaket beteiligt, wenn sie mehr als 100 000 Euro auf dem Konto haben. Darunter sind es 6,75%. Dies soll einen Betrag von 5,8 Milliarden Euro einbringen. 

Vor den Banken spielten sich Augenzeugenberichten zufolge teils dramatische Szenen ab. Wütende Kunden versuchten, an ihr Geld zu kommen. Doch die Automaten spuckten nichts mehr aus.

Die Banken hatten bereits vorgesorgt und den Anteil der Einlagen eingefroren, den ihre Kunden entrichten sollen. Das Onlinesystem der Banken war außer Betrieb gesetzt. Später schlossen die wenigen geöffneten Filialen, wie der stellvertretende Präsident der Cooperative Central Bank of Cyprus, Erotokritos Chlorakiotis, im staatlichen Rundfunk sagte.

Zyperns Sparer reagieren verbittert auf die Sonderabgabe: "Ich bin extrem wütend. Ich habe Jahre über Jahre gearbeitet, um dies anzusparen und jetzt verliere ich es, nur weil die Niederländer und Deutschen das sagen", ärgerte sich ein 54-jähriger Zypriot am Samstag. Ein Rentner sagte: "Das ist schlicht und einfach Diebstahl. Zypern ist nicht Sizilien. Das ist nicht die Insel der Mafia".

 

Grüne befürworten Beteiligung von Kontoinhabern bei Zypern-Rettung

Die haushaltspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Priska Hinz, befürwortet die Einigung der Euro-Länder vom frühen Samstagmorgen, im Zuge der Rettung Zyperns auch die Inhaber eines Kontos in der Insel-Republik zu beteiligen. Es sei ein bemerkenswerter Schritt, die Einleger zu beteiligen, sagte Hinz am Samstag im Deutschlandfunk. "Es ist aber aus unserer Sicht ein notwendiger Schritt." Das Geschäftsmodell Zyperns sei "schlicht und einfach gescheitert und das müssen auch die zyprischen Einwohner anerkennen", so Hinz weiter, die die Beteiligung der Einleger für einen generell richtigen Schritt halte. "Ich glaube, dass eine einmalige Abgabe, so bitter das auch ist, wahrscheinlich sinnvoller ist als eine dauerhafte Sparorgie, wie wir es zum Beispiel in Griechenland erlebt haben."

 

FDP-Finanzexperte kritisiert Einigung auf Hilfe für Zypern scharf

Der Finanzexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Frank Schäffler, hat die Entscheidung der Euro-Finanzminister, ein Hilfspaket für die finanziell angeschlagene Insel-Republik Zypern aufzulegen, scharf kritisiert. "Ich werde der Pervertierung des Solidaritätsbegriffes in Europa nicht zustimmen", kündigte Schäffler im Gespräch mit "Handelsblatt-Online" an. "Wenn das so weiter geht, retten wir bald auch Andorra und San Marino, weil diese so eine enge wirtschaftliche Beziehung zu den Krisenländern Italien und Spanien haben." Die Länder der Euro-Zone hatten sich am Samstagmorgen auf ein Kreditpaket für Zypern verständigt, das sich nach ersten Angaben auf bis zu zehn Milliarden Euro belaufen soll. Im Gegenzug verpflichtet sich die Insel-Republik zur Sanierung der maroden Banken und des Staatshaushalts. Ohne frisches Kapital wäre Zypern im Mai pleite.

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