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US-Inflation: Alles Lug und Trug?

Heute stehen die US-Arbeitsmarktdaten an – und die Märkte werden insbesondere darauf achten, wie sich die Stundenlöhne entwicklen. Bei der letzten Veröffentlichung waren diese ...

Von Markus Fugmann

Heute stehen die US-Arbeitsmarktdaten an – und die Märkte werden insbesondere darauf achten, wie sich die Stundenlöhne entwicklen. Bei der letzten Veröffentlichung waren diese erstmals seit Jahren gefallen – die Märkte reagireten verstört, obwohl die Zahl der neugeschaffenen Stellen sehr stark war. Warum, so die Frage, fallen die Löhne, wenn es der Wirtschaft in den USA doch angeblich so bombig gut geht? Warum sind im letzten Monat die Verbraucherpreise in den USA mit -0,4% so stark gefallen wie seit dem Krisenjahr 2008 nicht mehr? Klar, der Ölpreis, aber diese Erklärung alleine reicht nicht aus.

Dass die zuletzt gesunkenen Stundenlöhne in den USA kein Zufall waren, hat nun der an den Finanzmärkten als Querdenker geltende Albert Edwards von der SocGen aufgezeigt. Demnach sind die USA genauso betroffen von deflationären Tendenzen wie die Eurozone – nur wird dies durch statistische Tricks kaschiert. Würden die USA Inflation (und zwar die Kernrate, also ohne Energie und Nahrungsmittel) mit derselben Methode messen wie die Eurozone, sähe die Entwicklung praktisch genauso aus wie beim angeblichen Sorgenkind Eurozone.

In den USA wird die Inflation durch das US Bureau of Labor Statistics (BLS) gemessen. Der Unterschied zur Methodik der Eurozone besteht darin, dass das BLS einen Phantasiefaktor einbaut, der geradezu haarsträubend ist: man erfaßt neben den Mietzahlungen auch eine Zahl, die als “owners’ equivalent rent of primary residence” (OER) definiert wird. Gemeint ist damit eine virtuell angenommene Mietzahlung von Hausbesitzern – also eine Miete, die Hausbesitzer zahlen würden, wenn sie nicht Hausbesitzer wären! Nun ist uns leider kein einziger Fall in den USA bekannt, bei dem Hausbesitzer Miete zahlen – das ist ja schon ein logischer Widerspruch in sich. Was das US Bureau of Labor Statistics aber gleichwohl nicht davon abhält, diese vermeintlichen Mietzahlungen in die Inflationsberechnung einzubeziehen. Dementsprechend liegt in den USA die Inflation (Kernrate) bei 1,6%, in der Eurozone hingegen ein sattes Prozent tiefer. Würde das BLS diese Phantasie-Mietzahlungen nicht einberechnen, läge der Wert praktisch gleichauf mit der Eurozone.

Seit 2012 hat die amerkanische Notenbank ein Inflationsziel von 2% – je näher man diesem Wert kommt, umso besser in der Logik der Fed. Müßte man sich eingestehen, dass die wirkliche Zahl deutlich tiefer liegt, müsste man zugeben, dass auch in den USA die Zeichen auf Deflation stehen. Und Deflation heißt, dass mit dem angeblichen Boom in den USA etwas nicht stimmen kann. Was nicht sein darf, kann aber nicht sein..

Übergeorndet – und da machen die USA keine Ausnahme – sind die durch die Internet-Ökonomie etablierten Trends deflationär. Tradionelle Branchen mit hohen Mitarbeiterzahlen etwa im Einzelhandel verschwinden zunehmend (gestern die Insolvenz der amerikanischen Elektronik-Kette Radioshack mit gut 4000 Filialen) – zugunsten von Unternehmen wie Amazon, die für den gleichen Umsatz deutlich weniger Mitarbeiter brauchen. Man darf gespannt sein, wann die Finanzmärkte realisieren, dass sich die USA in die Tasche lügen..

The post Warum die USA sich bei der Inflation in die Tasche lügen.. appeared first on finanzmarktwelt.de.

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