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EZB finanziert mit QE vorwiegend US-Unternehmen

Was passiert, wenn die Fed die Zinsen anhebt? Die Antwort: vermutlich nicht viel. Zumindest nicht für viele US-Firmen. Denn die nehmen neue Schulden nicht mehr vorwiegend in den USA ...

Von Markus Fugmann

Was passiert, wenn die Fed die Zinsen anhebt? Die Antwort: vermutlich nicht viel. Zumindest nicht für viele US-Firmen. Denn die nehmen neue Schulden nicht mehr vorwiegend in den USA auf, wo die Zinsen für Unternehmensanleihen deutlich höher sind als in Europa, Draghi und der EZB sei Dank. Durschnittlich 2% weniger müssen Unternehmen bezahlen, die sich in Euro verschulden statt in Dollar.

Eine Untersuchung der Bank of America hat nun gezeigt, dass 65% der im März im Volumen von 60 Milliarden Euro verkauften Anleihen (das ist ein Rekord!) mit dem Status “investment-grade” von ausser-euopäischen Firmen stammen – die meisten davon aus den USA. Seit die EZB ihr QE beschlossen hat, purzeln die Renditen (=Risikoprämien) für Staatsanleihen, aber auch Unternehmensanleihen nach unten und machen so die Schuldenaufnahme günstiger. Rentieren solide Unternehmensanleihen (investment-grade) in Europa noch gerade einmal mit knapp 1%, so liegen sie in den USA durchschnittlich bei 2,9%. Die logische Folge: US-Firmen versuchen sich auf dem europäischen Anleihemarkt zu refinanzieren.

Das gilt auch und besonders für den Junk-Bond-Markt, also Anleihen, die von weniger bonitätsstarken Firmen emitiert werden. Liegen die Renditen in den USA für Junk-Bonds durchschnittlich bei 6,5%, so sind es in Europa durchschnittlich nur 4,3% – also satte 2,2% weniger. Damit lassen sich erhebliche Zinskosten einsparen – selbst wenn die US-Unternehmen das Währungsrisiko hedgen müssen und dadurch Kosten entstehen.

Damit können sich US-Firmen auch dann günstig refinanzieren, wenn die Fed die Zinsen anhebt – sie gehen einfach nach Europa und profitieren von den günstigeren Refinanzierungs-Konditionen. Je stärker die Fed die Zinsen anhebt (sollte sie überhaupt die Zinsen anheben), umso mehr US-Firmen werden den Weg an die europäischen Anleihemärkte gehen. Selbst wenn also die Politik des ultrabilligen Geldes in den USA enden sollte, steht mit der Eurozone der nächste ultrabillige Liquditätsspender schon bereit. Draghi und die EZB ersetzen so die Fed, die damit immer unwichtiger wird, während gleichzeitig die EZB direkt oder indirekt die ultimative Spenderin der globalen Liqudität wird.

Das bedeutet aber auch: die USA haben ein immenses Interesse daran, dass die Eurozone unverändert bestehen bleibt und der Euro nicht auseinanderbricht. Dass die Obama-Administration, wie heute bekannt wurde, sich im Rahmen des Varoufakis-Besuch in Washington als Vermittler zwischen Griechenland und der Eurozone angeboten hat, erscheint so in einem neuen Licht..

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