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USA: Der Niedergang einer Industrienation

Der tatsächliche Niedergang der Industrienation USA ist seit 35 Jahren im Gange. Harte historische Fakten zeigen ein extremes Missverhältnis zwischen Bevölkerungsexplosion und der Anzahl der Industriearbeitsplätze. Eine Analyse.

 

Von Claudio Kummerfeld

Stahlproduktion in den USA
Foto: Alfred T. Palmer/Wikipedia / Gemeinfrei

 

Seit 1986 ist die Bevölkerung der USA um 80 Millionen Menschen gestiegen (+33%), das Volumen der Industrieproduktion sogar um 90%. Und auch das Bruttoinlandsprodukt steigt ja immer weiter. Von daher mag man denken alles ist in Ordnung. Aber was nützt das Wachstum, wenn es bei der breiten Masse der Bevölkerung nie ankommt?

 

USA in historischer Betrachtung

Das Bureau of Labor Statistics (US-Behörde für Arbeitsmarktstatistik) erstellt zu allen möglichen Themen rund um den Arbeitsmarkt Statistiken, auch mit historischen Betrachtungsweisen. Und oft kann man aus der Historie sehr viel ableiten. Sie zeigt z.B. den seit 35 Jahren kontinuierlichen Rückgang der Anzahl der Industriearbeitsplätze in den USA. Waren es auf dem Höhepunkt 1980 knapp 20 Millionen Menschen, die in produzierenden Unternehmen tätig waren, sind es jetzt nur noch 12 Millionen. Damals lebten in den USA aber nur 227 Millionen Menschen, heute 320 Millionen.

 

Bevoelkerungsentwicklung USA
Grafik: Alosolo/Wikipedia/ Gemeinfrei

 

Man muss zu den unten gezeigten Grafiken sagen, dass 1939 gerade mal 130 Millionen Menschen in den USA lebten. Das bedeutet der Anteil der Industriearbeitsplätze war damals deutlich größer als heute, auch wenn die tatsächliche Anzahl der arbeitenden Menschen in der Branche damals etwas niedriger war. Von 1939 bis 1980 hat sich die Anzahl der in der Industrie tätigen Menschen von knapp 10 auf knapp 20 Millionen Menschen verdoppelt. Die Bevölkerung hat im selben Zeitraum um 74% zugenommen – man kann also sagen die Anzahl der Menschen, die in der Industrie tätig waren, stieg sogar stärker als der Bevölkerungszuwachs.

 

Seit dem Einsetzen der Automatisierung, dem Wiedererstarken der europäischen Industrie und dem Entstehen ernsthafter Konkurrenz in Asien geht es in den USA strukturell nur noch bergab. Verstärkt wurde diese Entwicklung vor allem zwei Mal durch die Wirtschaftseinbrüche Anfang 2000 und 2008. Der geringfügige jüngere Anstieg ist die Folge des Auflebens der amerikanischen Frackingindustrie. Diese kleine Wiederbelebung am Arbeitsmarkt steht aber auf mehr als wackligen Füssen, denn die Produktion ist größtenteils nicht kostendeckend bei einem Ölpreis von 60 Dollar. Zumal hat sich ein Großteil der Frackingunternehmen mit völlig überteuerten Anleihen finanziert.

 

USA Anzahl Arbeiter Produktion

USA Anzahl Arbeiter Produktion 2
Grafik: US Bureau of Labor Statistics

 

Die beiden Grafiken zeigen die Anzahl der Industriearbeitsplätze in den USA. Die Angaben sind dargestellt in tausend, also 12.000 = 12 Millionen. Enthalten sind u.a. Arbeitsplätze aus den Bereichen Auto, Schiffbau, Flugzeugbau, Raumfahrt, Öl, Energie, Lebensmittel, Tabak, Textilien, Holz, Print, Kohle, Chemie, Metall, Maschinenbau, Elektronik.

 

Wie erhalten die USA ihren Wohlstand?

Industriearbeitsplätze sind einkommenstechnisch immer höherwertig einzustufen als die breite Masse der Dienstleistungsarbeitsplätze. Wie erhält eine Volkswirtschaft wie die USA mit einer stetig wachsenden Bevölkerung also ihren “Wohlstand”, wenn ein prozentual immer größerer Anteil der Menschen in schlechter bezahlten Tätigkeiten “untergebracht” wird? Mit Schulden.

 

Die USA fungieren wie ein riesiger Staubsauger. Die Bundesregierung, die Kommunen, die Unternehmen und die Privathaushalte saugen in gigantischem Ausmaß immer mehr Geld über Schulden aus dem Ausland an, um diese zu verkonsumieren. Mit den Schulden werden die Einkommensverluste ausgeglichen, die aus den schlechter bezahlten Jobs resultieren. Dauerhaft kann das weder theoretisch noch praktisch funktionieren. Der nächste große Finanzcrash kommt – die Frage ist nur in welcher Form er diesmal in Erscheinung tritt – statt im Häusermarkt diesmal vielleicht bei Kreditkartenschulden, oder Autokrediten?

Quelle:
US Bureau of Labor Statistics
US Bureau of Census
US Federal Reserve

finanzmarktwelt.de

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