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OPEC: Heiße Luft um Nichts

OPEC: Mittlerweile wird deutlich, dass in der angepriesenen Übereinkunft der Produzenten viel heiße Luft enthalten ist. Dementsprechend gibt der Ölpreis auch schon wieder nach, zumal auch besorgniserregende Zahlen zu den US-Lagerbeständen hinzugekommen sind.

 

Börsen-Zeitung: Heiße Luft von der Opec, Marktkommentar von Dieter Kuckelkorn

Mit großem Getöse war die Übereinkunft bekanntgegeben worden. Endlich hatten sich mit Russland und Saudi-Arabien zwei der wichtigsten Ölproduzenten auf Maßnahmen zur Stützung des Ölpreises geeinigt. Dem Pakt haben sich dann auch andere Länder innerhalb der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) angeschlossen.

 

Selbst der Iran, der ja eigentlich seine Förderung nach dem Ende der Sanktionen im Atomstreit massiv ausbauen möchte, äußerte sich wohlwollend. Die Aktion hat dann auch zunächst das erreicht, was sie beabsichtigte: Der Ölpreis hat vorerst seine Talsohle durchschritten und ist wieder deutlich über die Marke von 30 Dollar je Barrel gestiegen. Zeitweise kostete Brent sogar mehr als 35 Dollar.

 

Mittlerweile wird allerdings deutlich, dass in der angepriesenen Übereinkunft der Produzenten viel heiße Luft enthalten ist. Dementsprechend gibt der Ölpreis auch schon wieder nach, zumal auch besorgniserregende Zahlen zu den US-Lagerbeständen hinzugekommen sind. Diese haben erneut ein Rekordniveau markiert.

 

Sieht man sich an, was die Ölländer vereinbart haben, so erkennt man rasch, dass darin wenig Substanz enthalten ist, die geeignet wäre, den Ölpreis nachhaltig nach oben zu treiben. Versprochen wurde nämlich lediglich eine Deckelung der Produktion auf dem Stand vom Januar. Dazu muss man wissen, dass sowohl die Opec als auch Länder wie Russland derzeit auf Teufel komm raus produzieren, um die Folgen des niedrigen Preises für ihre Staatshaushalte zu begrenzen. Ausgehend von diesem Niveau ist eine nennenswerte weitere Steigerung praktisch gar nicht möglich. Was das Überangebot auf den Ölmarkt betrifft, das auf 2 Mill. Barrel pro Tag geschätzt wird, so ändert sich also zunächst einmal gar nichts.

 

Aber selbst die dürftige Einigung auf den Verzicht eines weiteren Ausbaus der Förderung scheint noch nicht in Stein gemeißelt zu sein. Darauf deuten jedenfalls Äußerungen von Offiziellen aus Russland als auch Saudi-Arabien hin. So ließ sich der stellvertretende russische Energieminister Kirill Molodtsov vernehmen, auch unter Beachtung der Einigung mit den Opec-Ländern könne Russland die Produktion um weitere 1,9% steigern - Disziplin zur Stabilisierung des Ölpreises sieht anders aus. Und der saudische Außenminister Adel al-Jubeir hat am Rande der Verhandlungen in Doha noch einmal klargestellt, dass sein Land nicht daran denkt, die Produktion zu senken. Die jüngste Erholung des Ölpreises war aber im Verständnis der Marktteilnehmer erfolgt, dass die Deckelung nur einen ersten Schritt darstellt.

 

So ist also nicht damit zu rechnen, dass die Übereinkunft bereits für einen nachhaltigen Anstieg des Ölpreises sorgen wird. Allerdings ist auch nicht zu befürchten, dass der Ölpreis noch weiter unter Druck gerät und Niveaus um die 20 Dollar je Barrel realisiert, wie sie Analysten schon für realistisch gehalten hatten. Denn immerhin haben die Ölförderstaaten das Signal ausgesendet, dass sie einem weiteren Verfall des Ölpreises - insbesondere wenn er noch dramatischere Ausmaße annehmen sollte - nicht komplett tatenlos zusehen werden. Damit deutet vieles darauf hin, dass der Ölpreis seine Talsohle in der Tat durchschritten hat.

 

Es bleibt dann noch die Frage bestehen, wie weit eine Erholung gehen kann. Zwar muss damit gerechnet werden, dass der Iran alles daran setzt, seine Produktion längerfristig wieder auf Niveaus von vor dem Atomstreit anzuheben. Allerdings dürfte das Angebot aus anderen Teilen der Welt allmählich nachlassen. So meinen viele Analysten, dass die US-Schieferölindustrie ihren Anpassungsprozess im Wesentlichen noch vor sich hat.

 

Denn es ist davon auszugehen, dass die Unternehmen angesichts des im historischen Vergleich immer noch sehr niedrigen Preisniveaus von der Finanzierungsseite her kräftig unter Druck kommen. Die jüngsten Turbulenzen bei den Aktienkursen von Banken waren nicht zuletzt von Sorgen ausgelöst worden, dass die Institute umfangreiche Kreditmittel in die angeschlagene Branche gepumpt haben. Dass bislang von Produktionsrückgängen noch nicht viel zu sehen ist, liegt auch daran, dass - bei einer bereits deutlich rückläufigen Anzahl an neuen Bohrlöchern - die bestehenden Förderanlagen derzeit stärker und länger ausgebeutet werden. Auf Dauer wird dieses Niveau aber nicht durchzuhalten sein.

 

Bis zum Jahresende kann der Ölmarkt somit bereits wieder deutlich entspannter aussehen - bei einem Ölpreis, der dann zwischen 40 und 50 Dollar liegen könnte.

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