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Gilt ‚America first‘ jetzt auch für die FED?

Lieber Investor,

in den vergangenen Jahren hat die amerikanische Notenbank eher wie eine globale denn eine nationale Notenbank agiert. Sie hatte nicht nur die Wirtschaft in den USA im Blick, sondern stets auch die Entwicklungen berücksichtigt, die beispielsweise in den Schwellenländern vor sich gingen. Dort hat man das niedrige Zinsniveau dazu genutzt, sich weiter in US-Dollar zu verschulden. Solange die Zinsen niedrig und der Kurs der eigenen Währung hoch war, schienen die Gefahren überschaubar. Nun steigen jedoch die Zinsen in den USA wieder an und der US-Dollar wertet auf. Hinter der Aufwertung stehen nicht nur die Zinserhöhungen der US-Notenbank. Auch der Ausgang der US-Präsidentenwahl im November hat die Aufwärtsentwicklung der amerikanischen Währung weiter befeuert. Gegenüber den meisten ausländischen Währungen konnte der US-Dollar seit dem Wahlsieg Donald Trumps zulegen. Das nimmt die ausländischen Schuldner gleich doppelt in die Zange. Die Zinslast steigt und da sie in US-Dollar zu leisten ist, muss in Landeswährung gerechnet mehr Geld aufgewendet werden, um sie zu bezahlen.

Aus Rücksicht könnte schon bald ‚America first‘ werden

Bislang hat die Federal Reserve Bank sehr umsichtig agiert und ihre Zinserhöhungen mit Rücksicht auf die ausländischen Schuldner nur sehr langsam und vorsichtig vorgenommen. Mit dieser Zurückhaltung könnte es nun vorbei sein. ‚America first‘ gilt nun auch für die FED, egal ob diese will oder nicht. Der Anstoß zu dieser Entwicklung kommt aus dem Weißen Haus. Setzt Donald Trump auch nur einen Teil seiner Wahlkampfversprechen in die Tat um, kommen auf die USA hohe Ausgaben und/oder niedrigere Steuereinnahmen zu. Wenn sowohl die Steuern gesenkt als auch die Ausgaben gesteigert werden, wird sich die US-Zentralbank sehr schnell mit einer höchst gefährlichen Situation konfrontiert sehen. Schon jetzt läuft die US-Konjunktur gut. Die Beschäftigung im Land steigt und mit ihr der Druck auf Löhne und Gehälter. Zinserhöhungen sind vor diesem Hintergrund nicht nur überfällig, sondern beinahe unerlässlich, will sich die FED den Rücken freihalten. Dass das Ausgabenprogramm der neuen Regierung die Preise steigen lässt, ist sehr wahrscheinlich. Per Gesetz ist die US-Notenbank jedoch verpflichtet, die Inflation im Griff zu halten. Sollte ihr das nicht gelingen, wird nicht nur die US-Wirtschaft über kurz oder lang Schaden nehmen, sondern auch die Reputation der FED selbst. Das macht Janet Yellen und die anderen FED-Gouverneure persönlich angreifbar. Ihnen dürfte nicht entgangen sein, dass Donald Trump es erstens mit der Wahrheit nicht so genau nimmt und zweitens gerne die Schuld bei anderen und nicht bei sich selbst sucht.

Die eigene Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel

Sollte er also das im Wahlkampf gezeigte Verhalten auch als US-Präsident an den Tag legen, sind Schuldzuweisungen aus dem Weißen Haus an die FED, möglicherweise via Twitter recht bald zu erwarten. Verschärft sich die Situation an der Inflationsfront sogar dramatisch, wird vermutlich aus Sicht des Präsidenten auch ein Sündenbock zu opfern sein. Da Donald Trump im letzten Jahr erklärt hat, dass er Janet Yellen am liebsten sofort feuern würde, weil sie keine Republikanerin ist und er mit ihrer Geldpolitik nicht einverstanden ist, leben Janet Yellen und das Board der FED-Gouverneure in den kommenden Monaten äußerst gefährdet. Vor die Wahl gestellt, die ausländischen Schuldner oder die eigene Reputation und damit möglicherweise auch den eigenen Job zu retten, werden sich Janet Yellen und ihre Kollegen im FED-Board vermutlich für eine ‚America first‘-Politik entscheiden und lieber die Zinsen in den USA einmal zu viel als einmal zu wenig anheben. Das bremst die Inflation. Ob es auch den neuen Mann im Weißen Haus bremsen wird, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall würde die FED bei weiteren Zinserhöhungen nicht Gefahr laufen, sich dem Vorwurf auszusetzen, sie hätte die Inflation unterschätzt und die Zügel zu lange schleifen lassen.

Eine Zinskettenreaktion kündigt sich an

Wundern Sie sich deshalb nicht, wenn die FED in diesem Jahr deutlich stärker an der Zinsschraube dreht als noch in 2016 und seien Sie auch nicht überrascht, wenn dadurch der Druck auf die anderen Zentralbanken, insbesondere die europäische auch steigen wird. Als Janet Yellens Vorgänger Ben Bernanke im Jahr 2013 damit beginnen wollte, die monatlichen Anleihekäufe herunterfahren, gingen die Börsen in den Schwellenländern sofort auf Talfahrt. Ähnliche Entwicklungen könnten in Asien auch nun wieder auf dem Programm stehen. Anfang 2016 ging der DAX kräftig auf Talfahrt, weil die Börsen in China zur Schwäche neigten. Eine Wiederholung ist nicht ausgeschlossen. Bei steigenden Zinsen und einem auslaufenden Anleihekaufprogramm der EZB sind sie sogar mehr als wahrscheinlich, vielleicht sogar unvermeidlich. Kommt es in den Schwellenländern jedoch zu einer größeren Schuldenkrise, weil der Zinsdienst in US-Dollar von vielen Schuldnern nicht mehr geleistet werden kann, dürften die Zeichen rund um den Globus sehr schnell auf Sturm stehen. Das ist eine der großen Gefahren, die derzeit über den Märkten schweben.

Ein Gastbeitrag von Dr. Bernd Heim.

Herzliche Grüße

Ihr Robert Sasse

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