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Deutsche Bank: Ob das reichen wird?

Liebe Leser,

vielleicht wird Ihnen am Wochenende in Ihrer Tageszeitung eine ganzseitige Anzeige der Deutschen Bank ins Auge gesprungen sein. Die Annonce bestand aus einem „persönlichen“ Brief vom Konzernboss John Cryan an die Leser. Cryan entschuldigte sich darin für die zahlreichen Fehltritte der Deutschen Bank in den vergangenen Jahren, die zu kostspieligen Strafverfahren führten. Mal abgesehen von dem Umstand, dass die Reue reichlich spät kommt: Was verspricht sich das Bankhaus eigentlich von dieser Aktion?

Sie, liebe Leser, sind gemeint

Wörtlich heißt es in dem Text unter anderem: „Diese Altlasten haben uns nicht nur viel Geld, sondern auch Reputation und Vertrauen gekostet […] Das möchte ich zum Anlass nehmen, um im Namen des Vorstands der Deutschen Bank unser tiefes Bedauern auszudrücken für das, was geschehen ist. Wir möchten uns dafür entschuldigen. […] Das Verhalten der Bank entsprach hier nicht unseren Standards und war inakzeptabel.“

Der Brief hat einen eindeutigen Adressaten: Sie als Aktionär sind gemeint. Denn bei wem sonst will Cryan um Vertrauen werben? Bei den Privatkunden? Die haben dem Unternehmen bestimmt nicht wegen der Skandale den Rücken gekehrt. Vor nicht allzu langer Zeit teilte die Bank Otto-Normalsparer nämlich mit, dass er mehr Arbeit als Ertrag bereite. Beim Investmentbanking sei die dicke Kohle drin. Als Privatkunde lohne sich ein Konto bei der Deutschen Bank eigentlich nur, wenn man ein paar Millionen auf der hohen Kante habe. Glaubt Cryan etwa, dass er diese Kunden wieder zurücklocken kann? Da kann er lange warten.

Und die Großkunden? Die werden allenfalls nervös, wenn es Gerüchtehalber mal wieder heißt, das Bankhaus sei unterkapitalisiert oder könne seine Anleihen nicht mehr zurückzahlen. Ansonsten gibt es eigentlich keine Alternative zur Deutschen Bank hierzulande. Wer weltweit Geldgeschäfte tätigen muss, wird in der Regel dem deutschen Branchenprimus den Vorzug geben. In Sachen globaler Vernetzung kann da auch die Commerzbank nicht annähernd mithalten.

Ergo: John Cryan meint Sie mit seiner ganzseitigen Anzeige. Denn Sie haben letzten Endes die Zeche bezahlt, sofern Sie schon länger Aktien der Deutschen Bank halten sollten. Ein Anteilsschein des Bankhauses galt lange Zeit als Bluechip für Aktionäre. Doch inzwischen ist die Aktie zur Spielwiese von Spekulanten verkommen. Da werden noch viele vertrauensbildende Maßnahmen notwendig sein, bis sich dieses Blatt wieder wendet.

Ein Gastbeitrag von Mark de Groot.

Herzliche Grüße

Ihr Robert Sasse

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