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Export um jeden Preis?

Lieber Investor,

den Titel Exportweltmeister hat Deutschland schon vor einigen Jahren an China abgetreten, doch noch immer nimmt die Ausfuhr von Produkten ins Ausland in unserem Wirtschaftsleben eine besondere Stellung ein. Sie ist wie ein Heiligtum, das beständig andächtig umkreist, aber nie ernsthaft infrage gestellt wird.

Diese Einstellung ist ebenso verständlich wie gefährlich, denn sie übersieht die Gefahren, die aus einem starken Export erwachsen. Gefahren, die aus einem starken Export erwachsen? Das hört sich zunächst einmal furchtbar übertrieben an. Ist es aber nicht, denn der boomende Export, auf den wir uns hierzulande so viel einbilden, ist nicht nur unsere Stärke. Er ist zugleich auch unsere Achillesferse, weil die Importe aus anderen Ländern vergleichsweise schwach sind.

Auf diese Weise verzeichnet Deutschland hohe Handelsüberschüsse. Wir verkaufen viel, kaufen im Ausland deutlich weniger und verdienen entsprechend gut. Dieser Verdienst hat jedoch einen gravierenden Nachteil. Er ist nicht echt, weil wir zwar echte Waren verkaufen, aber im Gegenzug von unseren Handelspartnern nur gut gemeinte Schuldverschreibungen als Gegenleistung erhalten.

Diese können erfüllt werden oder auch nicht. Sie sind so werthaltig wie die Fähigkeit unserer Handelspartner, die gegebenen Kredite auch zu bedienen. Wirklich bezahlt werden diese Handelskredite erst in dem Moment, da wir uns selbst entschließen Waren im Ausland zu kaufen. Oder anders ausgedrückt: Erst müssen auch die anderen echte Waren produzieren und an uns liefern, dann erlischt die ursprüngliche Schuld. Wird nur mit Geld bezahlt, wird die Schuld allein weitergereicht, denn unser modernes Fiat Money ist nur Kredit.

Schuften zum Wohl der anderen?

Das deutsche Exportmodell, das unsere Politiker und Wirtschaftsfunktionäre gerne als Erfolgsmodell für die ganze Welt anpreisen, kann dieses niemals sein, denn wer kauft noch, wenn alle nur noch ihre Waren ins Ausland verkaufen wollen, aber selbst kaum etwas von dort importieren wollen? Es funktioniert nur, weil im Ausland die Bereitschaft, sich zu verschulden und mit dem aufgenommenen Kredit deutsche Waren einzukaufen, vorhanden ist.

Stirbt diese Bereitschaft, stirbt auch die blühende deutsche Exportwirtschaft eines sehr schnellen Todes. Mehr noch: Um sie aufrechtzuerhalten, müssen wir bereit sein, unseren Handelspartnern fortlaufend Kredit zu gewähren. Wir müssen diese Kredite auch dann gewähren, wenn die Erwartungen an ihre Rückzahlung nur sehr gering sind.

Ein Exportunternehmen wird seine Waren nicht ins Ausland liefern wollen, wenn es von dort keine Bezahlung für seine Leistung erwarten kann. Dieses unkalkulierbare Risiko wird niemand eingehen wollen. Aber es erwarten alle wie selbstverständlich, dass die Bundesbank dieses Risiko stellvertretend für alle auf sich nimmt und den Zahlungsverkehr mit dem Ausland abwickelt, obwohl dieser im Grunde doch nichts anderes als eine permanente Kreditvergabe ist.

Problematisch wird die Angelegenheit, wenn die Käufer der deutschen Waren eigentlich schon hoffnungslos überschuldet sind und besser keinen neuen Kredit mehr bekommen sollten, weil sie schon die alten Kredite nicht mehr bedienen können, von den neuen erst gar nicht zu sprechen. In diesem Fall wäre es besser, die Waren erst gar nicht ins Ausland zu verkaufen, denn das Zahlungsversprechen, das man im Gegenzug von dort erhält, ist mehr oder weniger wertlos.

Wenn verkaufen zu verschenken wird

Liefern wir trotz dieser Ausgangslage unverdrossen weiter ins hoch verschuldete Ausland, könnten wir die produzierten Waren im Grunde auch gleich verschenken. Am Ende läuft beides aufs Gleiche hinaus. Die Beschäftigung, die wir im Inland über dieses System der permanenten Kreditvergabe generieren, mutiert vor diesem Hintergrund leicht zu einer Art Beschäftigungstherapie, weil den Beschäftigten sofort der Hammer aus der Hand fallen würde, wüssten sie, dass sie für ihre Arbeit keine Bezahlung erhalten werden.

Die Werthaltigkeit des deutschen „Erfolgsmodells“ steht und fällt mit der Frage, in welche Werte das Geld aus dem Ausland, das wir für unsere Waren erhalten, nach dem Verkauf getauscht wird. Tauschen wir bzw. tauscht die Bundesbank die erzielten Überschüsse in Gold, wie es beispielsweise vor 1971 zur Zeit des Bretton Woods-Abkommens noch üblich war, wird der Wert konserviert.

Werden die Überschüsse hingegen nur in ausländische Devisen, also in Staatsanleihen, getauscht, erhalten wir im Gegenzug nur Papier, das sich am Ende als ausgesprochen geduldig herausstellen könnte, denn vielen Staatsanleihen werden in dem Augenblick vollkommen wertlos, in dem der ausländische Staat seine Zahlungsunfähigkeit erklären muss.

Im Falle von bankrotten Ländern wie Griechenland ist dieser Fall eigentlich schon längst eingetreten. Die Politik weigert sich jedoch, diese Wahrheit auszusprechen und es werden Schulden so oft umgeschuldet, dass in der Bevölkerung immer noch der Eindruck entsteht, die Zahlungsfähigkeit des Schuldners sei weiterhin gesichert. Das ist sie in vielen Fällen jedoch schon lange nicht mehr.

Viel Aufregung um nichts

Der Schwindel darf nicht auffallen. Deshalb ist die ganze Aufregung, mit der in Politik und Wirtschaft auf die Forderungen von US-Präsident Donald Trump reagiert wird, Deutschland solle endlich seine Handelsüberschüsse reduzieren oder es würden schon bald Strafzölle verhängt, nicht mehr als ein Sturm im Wasserglas.

Wir sollten Donald Trump nicht böse, sondern eher dankbar sein, trägt er mit seinen Vorschlägen doch mit dazu bei, dass wir in Zukunft weniger ins Ausland verschenken und wieder mehr dorthin tauschen.

Bei einem echten Tausch erhalten wir im Gegenzug die Produkte des Auslands und damit echte Werte. Bei einem Verkauf hingegen werden nur Verbindlichkeiten in US-Dollar oder anderen Fiat-Money-Währungen angehäuft, die im Zweifelsfall leicht vollkommen wertlos werden können.

Ein höherer Außenwert des Euros hätte im Prinzip den gleichen Effekt. Auch er würde die Ungleichgewichte im Handel mit den USA vermindern und dazu beitragen, dass im Austausch mit den USA weniger verschenkt und wieder mehr mit einer echten Gegenleistung vergütet wird. Schon im wohlverstandenen Eigeninteresse sollte sich Deutschland deshalb wieder darauf besinnen, echte Gegenleistungen für seine ins Ausland gelieferten Waren zu verlangen.

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