Lieber Leser,
der neue US-Präsident Donald Trump dürfte sich bei Infineon keiner großen Beliebtheit erfreuen. Völlig überraschend kündigten die zuständigen amerikanischen Behörden ihren Widerstand gegen die Wolfspeed-Übernahme der Deutschen an. Eigentlich galt das Zustandekommen des 850-Mio.-US-Dollar-Deals als bloße Formsache. Davon kann nunmehr keine Rede mehr sein.
Nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten gefährdet
Laut dem Committee on Foreign Investments in the United States (CFIUS) gefährdet der Kauf von Wolfspeed durch die Münchener die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten. Worin die Gefahr genau bestehen soll, wurde nicht erläutert. Zwar wird Infineon eigenen Angaben zufolge weiterhin eng mit dem CFIUS zusammenarbeiten, um die Bedenken gegen die Akquisition des amerikanischen Chipherstellers auszuräumen. Allzu optimistisch zeigt sich das Management des Dax-Konzerns jedoch nicht.
Andere Optionen gegenwärtig nicht in Sicht
Dabei wäre der Wolfspeed-Zukauf für Infineon eine gute Möglichkeit, sich als Zulieferer für den Elektroauto- und Mobilfunksektor zu etablieren. Die Expertise und die Anlagen der Amerikaner hätte die Münchner vergleichsweise schnell in die Lage versetzt, kleinere und effizientere Ladegeräte für E-Autos zu entwickeln. Überdies hätte Infineon mit Wolfspeed das umfassendste Portfolio an Verbindungshalbleitern verfügt und dadurch seine Position als führender Anbieter von Leistungshalbleitern sowie Hochfrequenz-Leistungsbauelementen für wichtige Zukunftsbranchen gefestigt. Da andere Optionen nicht in Sicht sind, sollten die Infineon-Anteilseigner Gewinnmitnahmen ernsthaft in Erwägung ziehen oder aber ihre Position mit einem (engen) Stopp versehen.



