Lieber Leser,
kein glückliches Händchen bewies ThyssenKrupp mit seinem Engagement auf dem amerikanischen Kontinent. Immerhin können die Essener das gescheiterte Expansionsprojekt, demzufolge Stahl in Brasilien gekocht und in den USA verarbeitet werden sollte, nach einem Jahrzehnt nun endgültig zu den Akten legen.
Käufer für brasilianisches Stahlwerk gefunden
Denn endlich haben die Deutschen mit dem Konkurrenten Ternium einen Käufer für das defizitäre Stahlwerk CSA in Brasilien gefunden, der bereit ist, immerhin 1,5 Mrd. Euro zu bezahlen. Unter Berücksichtigung dieses Erlöses für das letzte in Übersee verbliebene Werk haben die Amerikapläne dem Dax-Konzern einen Verlust von 8,0 Mrd. Euro beschert.
Aktionäre jubeln trotz drohendem Nettoverlust für 2017
Wegen des niedrigen Verkaufspreises der brasilianischen Stahlhütte muss ThyssenKrupp 2017 nochmals eine Wertberichtung von 900 Mio. Euro vornehmen. Deshalb stellte der Vorstand seine Anteilseigner sicherheitshalber schon einmal auf einen möglichen Nettoverlust im laufenden Jahr ein: „Der Verkauf wird entsprechende Auswirkungen auf den Jahresüberschuss des Konzerns haben.“
Dennoch zog der Aktienkurs im Anschluss an die Meldung um 2,9% an, da die Anleger offenbar die Einschätzung von Firmenchef Hiesinger teilen, dass Deutschlands größter Stahlkonzern mit dem Verkauf einen wichtigen Meilenstein hinsichtlich des Umbaus zu einem starken Industriekonzern markiert hat. Auch wenn technisch fast alles für weiter anziehende Kurse spricht, ist ein gewisses Maß an Vorsicht bestimmt nicht verkehrt. Die Notierungen hängen derzeit noch nicht unerheblich von den zuletzt gestiegenen Stahlpreisen ab. Die Verteuerung wird sich aller Voraussicht nach zumindest nicht mit gleichbleibender Dynamik fortsetzen.



