Lieber Leser,
nach monatelanger Vorbereitung war es am 2. März endlich soweit. Snap wurde erstmals an der Wall Street offiziell als Aktie gehandelt. Das IPO gilt als das größte in den USA seit dem Börsengang der chinesischen Handelsplattform Alibaba im September 2014. Auch den Vergleich zu Facebook liest man in diesem Zusammenhang häufig. So ist es auch bei all der Publicity nicht verwunderlich, dass der Gang aufs Parkett mehr als erfolgreich war. Der Aktienkurs von Snap legte am ersten Handelstag mit Plus 44 Prozent einen Blitzstart hin.

Doch anders als das soziale Netzwerk Facebook, das damals beim Börsengang schon ca. 1 Milliarde US-Dollar Gewinn vorweisen konnten, hat Snap außer heiße Luft bisher rein gar nichts zu bieten. Statt eines Gewinn belief sich der Verlust in 2016 auf satte 500 Millionen US-Dollar und war damit sogar noch größer als der Umsatz. Das muss man erst einmal hinbekommen.
Wer Snap einmal als App auf seinem Smartphone installiert hat, wird sich auch fragen, was das Ganze eigentlich soll. OK, man kann Fotos machen und tauschen sowie lustige Filter anwenden. Und auch eine Art Newsfeed gibt es. Doch mittlerweile gibt es unzählige ähnliche Apps mit ähnlichem Funktionsumfang. Sicher, es ist auch eine Frage der Alters. Teenager mögen damit anders umgehen als ein Mitte 30-Jähriger. Doch was genau nun bei Snap 34 Milliarden US-Dollar wert sein soll, kann der Gründer Evan Spiegel sicher selbst kaum herleiten.
Wer also halbwegs bei Trost ist, lässt die Finger von dieser Aktie. Zeigt der Börsengang doch auch, dass im Zeitalter der Negativzinsen und des Anlegenotstandes alles gekauft wird, was nur irgendwie halbwegs einen schnellen Gewinn verspricht und abwirft.



