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Fliegen mit Algensprit

EADS plant Erstflug mit Algensprit auf der ILA 2010 in Berlin. EADS-Technikvorstand Botti: „Wir brauchen Alternativen zum Kerosin“.  Auch Hybrid-Helikopter geplant.


Weltpremiere auf der Internationalen Luftfahrtausstellung (ILA) 2010 in Berlin: Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS geht neue Wege im Klimaschutz und lässt erstmals ein Flugzeug aufsteigen, das mit reinem Algen-Sprit betankt ist. Das kündigte der Technik-Chef des Airbus-Mutterkonzerns, Jean J. Botti, im Gespräch mit der Tageszeitung DIE WELT (Freitagausgabe) an. „Wir versuchen, bei einem Paradigmenwechsel in der Luftfahrtindustrie beizutragen“, sagte Botti: „Denn wir brauchen bald eine Alternative zu Kerosin.“

Auf der ILA, die vom 8. bis 13. Juni auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld stattfindet, betankt EADS deshalb erstmals ein Flugzeug mit Treibstoff, der vollständig aus Algen gewonnen wurde. Es handelt sich um eine zweimotorige Diamond DA 42. Durch den höheren Energiegehalt des Algentreibstoffs ist der Verbrauch der Diamond bei gleicher Leistung um 1,5 Liter pro Stunde geringer als bei konventionellen Treibstoff.

 „Ich setze große Hoffnungen auf Algen“, sagte Botti der WELT. „Die Energieintensität von Algen ist hervorragend, und beim Wachstum dieser Pflanzen wird viel CO2 gebunden.“ Weil Algen auch in Brauch- oder Schmutzwasser wachsen, können sie in großen Mengen produziert werden, ohne landwirtschaftlich nutzbare Böden zu besetzen.

„Wir haben uns das Ziel gesetzt, die CO2- und Lärmemissionen bis 2050 zu halbieren“, sagte Botti weiter: „Aber am Ende muss es darum gehen, dass die Luftfahrtindustrie in der Klima-Gleichung so gut wie keine Rolle mehr spielt.“

Bevor Algen-Treibstoff auch kostenmäßig mit Kerosin konkurrieren könne, sei allerdings noch großer Forschungs- und Entwicklungsaufwand nötig. Die Schwierigkeit sei, in der Anfangsphase die gesamte Industrie hinter der Idee der emissionsarmen Luftfahrt zu vereinen. „Wenn zehn Prozent unserer Flotte im Jaher 2040 mit Biotreibstoffen flöge, wäre ich schon extrem glücklich“, sagte Botti: „Sobald eine bestimmte Schwelle erreicht ist, würde sich diese neue Technik dann wesentlich schneller verbreiten.“

Auch in anderen Segmenten versucht EADS, der Mutterkonzern des größten europäischen Flugzeugbauers Airbus und des Hubschrauber-Herstellers Eurocopter, neue Technologien zum Klimaschutz voran zu bringen. So lasse sich die Technologie von Elektroautos auf Hubschrauber übertragen, kündigte Botti an: „Wir arbeiten am Elektro- oder Hybrid-Helikopter“. Ein Hybridantrieb senke die den Treibstoffverbrauch und den Schadstoffausstoß, reduziert Lärm bei Starten und Landen und erhöht durch die Redundanz nicht zuletzt die Sicherheit.“ Leise Helikopter mit Hybridantrieb könnten beispielsweise verstärkt in Städten eingesetzt werden, sagte Botti: „Wir arbeiten daran.“

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