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Künstliches Leben schöne Zukunftsvision?

Ethiker Jens Reich: Künstliche Lebewesen sind „schöne Zukunftsvisionen“. Nachteil: So „könnte ein bösartiger biotechnischer Entwurf die Herstellung von neuen Mikroben für biologische Kriegsführung oder Terrorangriffe ermöglichen“.



In die Debatte um die Schaffung künstlichen Lebens hat sich der anerkannte Biologe und Ethiker Jens Reich eingeschaltet. „Es sind dies schöne Zukunftsvisionen, und man möchte wirklich sehen, dass die Menschen ihren Intellekt für solche Ziele einsetzen und nicht für die Produktion immer neuer Waffen und Schadstoffe“, schreibt das Mitglied des Deutschen Ethikrats in einem Beitrag für das Nachrichtenmagazin FOCUS.

Der 71-jährige Forscher vom Berliner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin reagierte damit auf den Vorwurf an Craig Venter, dieser wolle Gott spielen. Der US-Genetiker hatte vor zwei Wochen bekannt gegeben, den weltweit ersten künstlichen Organismus geschaffen zu haben. In FOCUS kritisierte Reich nun die der Kritik zu Grunde liegende „armselige Vorstellung von Gott, wenn man glaubt, er habe sich seinerzeit ähnlich Craig Venter damit beschäftigt, das Leben aus einer Sammlung von Biobricks, Vorstufen genetischer Moleküle, wie aus einem Chemiebaukasten zusammen zu stecken“.

Das Ziel von Forschern wie Venter ist es, mit Hilfe der im Labor geschaffenen Organismen umweltverträglichen Treibstoff herzustellen, Medikamente günstiger zu produzieren oder Schadstoffe in Böden zu beseitigen. Reich steht diesen Vorhaben aufgeschlossen gegenüber, warnt allerdings vor Missbrauch: „Wer über Segnungen spekuliert, sollte auch die Gefahren nicht verschweigen.“  So „könnte ein bösartiger biotechnischer Entwurf die Herstellung von neuen Mikroben für biologische Kriegsführung oder Terrorangriffe ermöglichen“. Zudem bestehe die Möglichkeit, dass derartige Nanostrukturen „die genetische Konstitution des Menschen grundsätzlich neu entwerfen“.

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