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Das Trader-Gen

Als hätten wir es nicht schon immer gewusst: Nicht Übung, nicht Erfahrung, auch nicht Wissen macht aus Ihnen einen besseren Trader. Nein, Sie müssen sich ein bestimmtes Gen einpflanzen lassen.

 

Von Jochen Steffens

Ein amerikanisch-französisches Wissenschaftsteam hat ein Gen ausmachen können, das offensichtlich zu besseren Entscheidungen bei riskanten finanziellen Geschäften verhilft. Dabei ist dieses Gen kein Unbekanntes, es erlangte schon in anderem Zusammenhang eher traurige Berühmtheit. Es soll nach einigen, nicht unumstrittenen Studien, die Aggressionsbereitschaft steigern.

Die alten und jetzt die neue Studie scheinen tatsächlich etwas gemeinsam zu haben. Denn dieses Gen führt zu einer höheren Bereitschaft, riskante Spekulationen einzugehen. Diese Gen-Trader scheinen sich dabei nicht nur schneller zu entscheiden, sondern können dabei auch noch die lukrativeren Entscheidungen treffen.

Jäger und Farmer

Interessanterweise entspricht das entfernt einer Unterscheidung, die ich im ersten Teil unseres Buches „Die hohe Kunst des (Day-)Tradens“ definiert habe. Dort schreibe ich, dass man an den Börsen Jäger- und Farmer-Mentalitäten unterscheiden kann. Die Jäger-Mentalitäten sind dabei natürlich aggressiver, haben eine schnellere, hoch fokussierende Aufmerksamkeit, agieren schneller, und sind meist die nervöseren Menschen.

Farmer-Mentalitäten zeichnen sich durch eine wesentlich bessere Organisation aus. Sie besitzen im Gegensatz zu den Jägern die Fähigkeit, sehr viel genauer und tiefergehend zu analysieren. Insgesamt agieren sie langsamer, und daher resultiert wohl auch die höhere Genauigkeit. Sie können nicht so hoch fokussiert arbeiten, dafür können sie sich besser auf längere und komplexere Aufgaben konzentrieren.

Der Kurz- und der Langfristanleger

Wenn man diese Unterscheidung liest, wird sofort klar, dass Jägermentalitäten die besseren kurzfristigen Trader sind, während Farmermentalitäten die besseren langfristigen Anleger sind. In unserem Buch „Die hohe Kunst des (Day-)Tradens“ sind noch viele weitere Merkmale genannt, an denen Sie erkennen können, zu welcher Gruppe - Farmer oder Jäger - Sie gehören.

Diese Unterscheidung ist wertfrei, beide Gruppen können, wenn auch auf sehr unterschiedliche Art und Weise, sehr viel Geld verdienen. Meistens haben es die Farmermentalitäten sogar einfacher. Aber in unserem Buch geht es natürlich hauptsächlich um die Jäger. Denn die meisten anderen Bücher schreiben von Tradertagebüchern, Geldmanagement, Tradingplänen, etc. Doch das sind eigentlich alles Organisationshilfen für Farmer-Mentalitäten. Vernünftige Anleitungen für richtige Jäger gibt es nur wenige.

Die oben genannte Studie scheint diese Unterteilung ebenfalls zu unterstützen. Aggressivere Menschen, die eine höhere Bereitschaft haben, riskante Finanzgeschäfte einzugehen, sind wahrscheinlich eher Jägermentalitäten (wobei Aggression nicht mit Gewaltbereitschaft zu verwechseln ist). Mich würde natürlich jetzt interessieren, ob Menschen mit diesem Gen auch die anderen Eigenschaften der Jäger besitzen, die in unserem Buch beschrieben sind. Aber gut, das ist eine andere Wissenschaft, und ich bin mit der Börse schon ausreichend versorgt, was Fragestellungen und Lösungsmodelle anbetrifft.

Schlussendlich müssen Sie natürlich selbst herausfinden, welcher Tradinghorizont, welche Art zu traden für Sie geeignet ist – ob Sie das Gen nun besitzen oder nicht.

DAX scheitert an markanter Linie

Nach diesem kleinen Ausflug in die Genetik, ein kurzer Blick auf unseren Target-Trend-Chart vom DAX:



Der DAX hat einen ersten Anlauf gemacht, die obere Linie des schwarz-gestrichelten Aufwärtstrendkanals nach oben zu brechen. Das ist bisher nicht gelungen. Nun fragt sich, ob die Kurse zunächst doch wieder in Richtung der unteren Linie dieses Trends laufen. Vielleicht an den Schnittpunkt von blau gestrichelter Mittellinie (6.788 Punkte) und unterer schwarzer gestrichelter Aufwärtstrendlinie. Bis jetzt entstehen nur Dojis (das sind Kerzen, die wie Kreuze aussehen), und diese sind ein Hinweis auf eine gewisse Unsicherheit.

Auch im S&P500 noch kein eindeutiger Ausbruch

 

Auch der S&P500 ist noch nicht eindeutig ausgebrochen. Zwar kam es zu einem deutlichen Bruch über die 1.219er Marke, aber der Index kämpft noch mit dem letzten Bewegungshoch. Hier sollte es nun zu einem Anstieg der Aufwärtsdynamik kommen, ansonsten könnte das schnell zu einem Fehlsignal werden.
Damit ist die Entscheidung immer noch nicht gefallen. Die Märkte kämpfen. Da nächste Woche der letzte große Verfallstag in diesem Jahr stattfindet, kann es gut sein, dass die Entscheidung auch erst nach diesem Tag fallen wird. Es bleibt, wie eigentlich immer an den Börsen, weiterhin spannend.

www.stockstreet.de

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