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Anklage gegen DSK vor dem Aus

Der Fall DSK wird immer mysteriöser. Die US-Justiz wird die Anklage gegen Dominique Strauss-Kahn fallen lassen. Die Glaubwürdigkeit des Zimmermädchens sei dermaßen erschüttert, "dass wir den Fall nicht mit ihr durchstehen können", sagt ein Vertreter der Anklage. Man könne ihr überhaupt nichts mehr glauben. - Ist der Ex-IWF-Chef also doch einer gezielten Verschwörung zum Opfer gefallen?

 

von Michael Mross

DSK und USA: ein Stück aus dem Tollhaus? Die US-Justiz wird die Anklage gegen Dominique Strauss-Kahn fallen lassen. Die Glaubwürdigkeit des Zimmermädchens sei dermaßen erschüttert, "dass wir den Fall nicht mit ihr durchstehen können", sagt ein Vertreter der Anklage. Man könne ihr überhaupt nichts mehr glauben.

Damit wird der Fall DSK immer mysteriöser. Der Vorgang nährt die Spekulation, dass DSK Opfer eines Komplotts wurde. US-Boulevardblätter munkeln gar, das angebliche Opfer sei als Prostituierte gezielt in das Nobelhotel geschickt und eventuell auf Strauss-Kahn angesetzt worden.

Aufgrund der vielen Widersprüche dürfte es schwer werden, den Fall DSK überhaupt weiterzuführen. Nach einem Bericht der "Ney York Post" wird die Anklage gegen Dominique Strauss-Kahn deshalb in Kürze komplett  fallengelassen. Unter Berufung auf ein hochrangiges Mitglied der Staatsanwaltschaft berichtet das Blatt, die Anschuldigungen würden beim nächsten Gerichtstermin des ehemaligen IWF-Chefs in zwei Wochen oder sogar schon früher zurückgezogen. Sollte DSK frei kommen, wäre der Fall einer der größten Justizskandale in den USA.

"Ihr Glaubwürdigkeit ist dermaßen erschüttert, dass wir den Fall nicht mit ihr durchstehen können", wird der Ermittler mit Blick auf das New Yorker Zimmermädchen zitiert, auf deren Aussage sich die Anklage stützt. "Man kann überhaupt nichts mehr glauben, was aus ihrem Mund kommt", was eine Schande ist, weil wir wohl so nie erfahren werden, was wirklich in dem Hotelzimmer geschehen ist", zitiert das Blatt die anonyme Quelle.

Staatsanwalt Cyrus Vance sieht sich nun Vorwürfen ausgesetzt, er habe voreilig eine Anklage zusammengeschustert, statt zuvor gründlich die Fakten zu prüfen.

So hatte es sechs Wochen gedauert, bis ein belastendes Telefonat des angeblich angegriffenen Zimmermädchens mit ihrem kriminellen Ehemann übersetzt werden konnte. Dabei soll darüber gesprochen worden sein, wieviel Geld man aus dem Fall herausschlagen könne.

Wie auch immer man zu DSK steht – und sicherlich gibt es genug an der Person zu kritisieren – das Vorgehen der US-Behörden ist  nicht nur einer der größten Justizskandale in den USA, sondern auch ein Affront, ein Skandal gegen Europa, auch und gerade in Sachen Rechtsstaatlichkeit.

Die Art und Weise, wie die Behörden mit  DSK umgingen, erinnert an finstere Bananenrepubliken. Zu deren Gebräuchen zählt die theatralische Vorverurteilung, das an den öffentlichen Pranger stellen und die Zurschaustellung des (prominenten) Verdächtigen in Handschellen beim sogenannten „perp walk“ vor einer Heerschar von Reportern. Der filmreife,  entwürdigende Abtransport auf eine berüchtigte Insel ohne jeden Beweis für seine Tat müsste eigentlich auch in den USA für Empörung sorgen – tat es aber nicht.

Wie würde wohl Amerika reagieren, wenn gleiches auf europäischen Boden mit einem US-Würdenträger passiert wäre? Was hat DSK wohl falsch gemacht, dass seine einstigen Freunde ihn nun mit solcher Schmach überziehen? Sollten sich die Anschuldigungen bewahrheiten, drohen bis zu 25 Jahre Haft, prahlte ein US-Staatsanwalt bereits in heller Vorfreude. Die Darstellungen des Opfers seien „überwältigend“.  - Doch davon ist heute nichts mehr übrig. 180 Grad Wende bei der New Yorker Staatsanwaltschaft. Aus "überwältigenden Darstellungen eines Opfers" wurden widersprüchliche Aussagen eines Zimmermädchens, dem man nun nichts mehr glauben könne.

Das ganze Justizkartenhaus in Sachen DSK bricht damit nun zusammen. Übrig bleibt ein bitterer Nachgeschmack und die Überzeugung, dass der Ex-IWF-Chef in Zusammenspiel mit finsteren Kräften der US-Justiz einer gezielten Verschwörung zum Opfer gefallen ist. Über die Hintergründe und Motivation darf nun eifrig spekuliert werden.

Fazit: Kurz vor dem Kollaps entwickeln sich die USA zu einer Willkür-Diktatur. Der Untergang des Rechtstaates – sollte es ihn je gegeben haben – wird an keinem Fall deutlicher als an diesem Skandal.

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