Weltweit wird vor dem Kollaps der Euro-Zone gewarnt. Das Thema wird nun auch offen in den Massenmedien getitelt. Immer mehr wird klar: Die Rettung ist nur eine Illusion. Sie ist schon mathematisch unmöglich. - Das Rettungsboot hat nur eine begrenzte Kapazität. Wenn zu viele Ertrinkende hineinwollen, sinkt das ganze Boot. Wird der Euro untergehen? Und mit dem Euro das globale Finanzsystem?
von Michael Mross
Nicht ganz überraschend aber dennoch recht spät findet das Thema "Euro-Kollaps" nun auch im Mainstream seinen Platz. Was bei MMnews nun schon seit zwei Jahren diskutiert wird, steht heute zum Beispiel bei welt.de: Investoren wappnen sich gegen Kollaps der Euro-Zone:
"Über den Zusammenbruch der Euro-Zone zu reden, ist nun kein Tabu mehr. Analysten raten ihren Kunden, mit Horrorszenarien zu rechnen. - Einige Investoren setzen offenbar bereits auf einen Zusammenbruch der Euro-Zone. Der Grund sei Italien, schrieb die Credit Suisse an ihre Kunden. Auch das japanische Handelshaus Mitsubishi UFJ Securities riet seinen Kunden dazu, sich auf diese Möglichkeit vorzubereiten. An den Finanzmärkten wird ein Kollaps der Euro-Zone zwar weiterhin für unwahrscheinlich gehalten und in der Politik vehement abgestritten. Das Tabu, nicht darüber reden zu dürfen, bröckelt aber langsam."
Die Rettungsillusion
Der Rettungsschirm kann rein mathematisch nicht funktionieren, weil die Pleitekandidaten in Euro-Land derartig hoch verschuldet sind, dass sie unmöglich vom Rest der Gemeinschaft gerettet werden können. Wenn 75% der Eurogruppe pleite sind, können sie unmöglich vom "gesunden" Rest gerettet werden. Jedes Rettungsboot hat bekanntlich nur eine begrenzte Kapazität. Wenn zu viele Ertrinkende darauf springen, geht das ganze Boot unter. Das selbe Schicksal droht den Euro-Ländern.
Das Schicksal Italiens zeigt, dass die Problematik quasi Übernacht zuschlagen kann. Wenn die Zinsen erst mal explodieren, gibt es kein Halten mehr. Der von der Politik vermittelte Eindruck, dass Italien ebenfalls unter den Rettungschirm schlüpfen könnte, ist ein Märchen. Die Realität ist: Wenn Italien an den Märkten kein Geld mehr bekommt bzw. die Zinsen zu hoch steigen, gibt es keine Rettung für niemanden mehr.
Alle Rettungsmechanismen sind nur Makulatur. Am Ende werden sich auch die größten Nationen der Eurogruppe - und zum Schluß sogar Frankreich - aus ESFM etc. zurückziehen, weil sie selbst nicht mehr retten können, sondern ebenfalls SOS funken müssen. Übrig bleiben nur noch eine Handvoll Staaten - Deutschland - die für den Rest bürgen bzw. zahlen müssen. Wer 1+1 zusammenzählen kann, begreift, dass dies ein Ding der Unmöglichkeit ist.
Pleite, fast pleite oder bald pleite:
Griechenland
Irland
Portugal
Belgien
Spanien
Italien
Frankreich
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Schulden insgesamt: 8 Billionen
Übrig bleiben
Luxemburg
Finnland
Niederlande
Österreich
Deutschland
(ohne Mini-Staaten)
Wenn man mal Luxemburg und Finnland außer Acht lässt, weil sie so klein sind, dass sie kaum was zu einer Rettung beitragen können, bleiben also nur noch die Niederlande, Österreich und Deutschland am Schluß übrig, welche den Rest retten sollen.
Man könnte jetzt noch natürlich irgendwelche BIP Berechnungen etc. anstellen, unter welchen Umständen dies vielleicht theoretisch doch noch möglich sei. Doch das ist müssig. Selbst wenn die Deutschen ihr Volksvermögen von knapp 5 Billionen Euro Spareinlagen zur Verfügung stellen würden, wäre es unmöglich, damit den Rest zu retten. - Abgesehen davon, dass es mit Sicherheit zum Bürgerkrieg führen würde, wenn die Sparer der Nordschiene ihr Geld für den Rest opfern sollen.
Die bittere Wahrheit aber ist: das Geld ist bereits weg. Sollte der Rest bankrott gehen, ist es praktisch unmöglich, dass der Norden sein Geld behält. Denn bekanntlich ist Geld = Schuld. Und die Schulden liegen nun mal eher in der Südschiene. Ist der Süden pleite, dann ist es der Norden auch. Pech gehabt.
Umgekehrt ist in den Diskussionen, die ich in Frankfurt führe, immer wieder zu höhren, dass man den "Rest" ja ruhig pleite gehen lassen könnte, - dann würden die Deutschen die Banken rekapitalisieren (kostet mindestens 1 Billion Euro) und alles wäre gut. Das ist natürlich eine Milchmädchenrechnung. Erstens ist es faktisch unmöglich, den deutschen Sparern 25% ihrer Einlagen wegzunehmen, um Banken zu rekaptialisieren. Zweitens würde Deutschland im "toten" Euroland ebenfalls untergehen. Drittens würde die Pleite der Peripherie zu weltweiten Verwerfungen führen mit einem kompletten Meltdown des globalen Finanzsystems.
Diese Kernschmelze dürfte aber so oder so unausweichlich sein. Denn das Dilemma lautet: Retten geht nicht mehr. Retten wir aber nicht, geht auch nichts mehr. Typisches Endstadium eines Geldsystems. Geld=Schuld - und irgendwann ist Schluss. Kleiner Trost: Ist in der Menschheitsgeschichte schon oft vorgekommen. Vielleicht finden wir ja irgendwann etwas besseres...
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