IW kritisiert China

Top-Ökonom Hüther wirft Politik und Wirtschaft „Naivität im Umgang mit China“ vor

 

Der Präsident des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln Michael Hüther attestiert deutschen Managern und Politikern, im Umgang mit China „viel zu naiv“ zu sein. In einem Interview mit der WirtschaftsWoche sagte er: „Jeder pickt sich doch das heraus, was ihm gerade in den Kram passt.“

Das gelte etwa für einen Konzernchef, der davon schwärme, dass seine Firma in China binnen zehn Tagen eine Baugenehmigung bekommen habe, während es in Deutschland Jahre dauere. „Der Vergleich ist aber absurd“, sagte Hüther. Man könne China nicht zur Maxime für einen Rechtsstaat und eine Demokratie erheben, die zwangsläufig alle berechtigten Interessen berücksichtigen müsse.

„Die Unbedarftheit ist in der Politik zum Teil sogar noch ausgeprägter“, so Hüther weiter. So lobten viele Politiker China überschwänglich für seine Fortschritte bei der Elektromobilität und brandmarkten die Bundesrepublik als rückständig, machten sich allerdings keine Gedanken, dass sie gleichzeitig die Lage der Menschenrechte in China ignorierten.

Hüther forderte in der WirtschaftsWoche ein Ende des Selbstbetrugs: „Als der China-Boom begann, war unsere Annahme, dass sich Marktwirtschaft, Liberalismus und Demokratie einander bedingen, wir also nur lange genug Freihandel treiben müssen, damit China zu einer Demokratie wird.“ Das sei nicht passiert. „Es gibt sogar eine Rückwärtsbewegung: Die Freiheit dort hat abgenommen.“

Eine Analyse der Globalisierung zeige, so Hüther, dass es dabei vor allem um den Aufstieg Chinas gehe: „Eigentlich bleibt nur die gewaltige Dynamik Chinas.“ Deshalb habe ein kritischerer Blick auf das Land auch Konsequenzen für die deutsche Volkswirtschaft: „Je kritischer wir gegenüber China sind, desto wettbewerbsfähiger müssen wir werden.“

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