Während „Menschen aus aller Welt“ Wohnungen in Berlin wie verrückt suchen und jede Bude sofort weg ist, stirbt das Gewerbe nebenan einen langsamen Tod.
Von Meinrad Müller
Wer durch die Stadt läuft, sieht es überall: Immer mehr große, teure Schaufenster stehen gähnend leer. Wo vor kurzem noch ein Juwelier glitzerte oder eine Nobel-Boutique lockte, sind „Zu vermieten“-Schilder. Das ist kein vorübergehender Dämpfer. Das ist der Anfang vom Ende des Glanz und Gloria. Berlin ist seit Jahrzehnten nicht überlebensfähig und erhält jährlich rund vier Milliarden aus dem Länderfinanzausgleich. Das ist künstliche Beatmung mit Schläuchen aus Bayern, Baden-Württemberg und Hessen.
In der Prachtstraße Unter den Linden machen Läden und Restaurants auf, feiern kurz Eröffnung und nach sechs Monaten wird geschlossen. Wieder ein totes Fenster. Die Anwohner sehen dieses traurige Schauspiel jeden Tag. Der Kundenstrom bleibt aus. Die Leute haben einfach kein Geld mehr für Luxus. Und Touristen essen Currywurst.
2,24 Millionen Quadratmeter Leerstand – Berlin wird zur Büro-Geisterstadt
Berlin nahm Mieten wie London oder Paris, hat aber nur das Portemonnaie einer Hartz-IV-Stadt. Die Zahlen sind brutal:
Berliner Bürger: Arm aber sexy
Die Berliner verdienen im Schnitt ein Drittel weniger als die Münchner. Hinzu kommt:
– Über 10,5 Prozent Arbeitslosigkeit – mehr als 225.000 Berliner ohne Job.
– Fast jeder fünfte Berliner (19–20 %) gilt als armutsgefährdet.
– Rund 15 Prozent der Berliner – das sind über 550.000 Menschen – leben von Grundsicherung.
Wie soll bei diesen Verhältnissen jemand teure Handtaschen oder hochpreisige Restaurants finanzieren?
Die Friedrichstraße – trauriges Mahnmal
Das französische Nobelkaufhaus Galeries Lafayette ist weg. Der Büro- und Ladenkomplex „Quartier 206“ steht zu großen Teilen leer und wurde zwangsversteigert, wobei das Gericht den gebotenen Preis von 40 Millionen Euro nicht akzeptierte. Laut Gutachten sei es 180 Mio. wert.
Dazu die bescheuerten Verkehrs-Experimente Berlins, die viele Händler endgültig in den Ruin getrieben haben. Mal Fußgängerzone, dann wieder Poller, die nur Lastenfahrräder durchließen. Aus der einstigen Prachtstraße wird eine Geistermeile.
Das Millionengrab „Fürst“ am Ku’damm
Und als wäre das nicht genug, wächst am Ku’damm das Monsterprojekt „Fürst“ mit über 106.000 Quadratmetern in den Himmel. Soll Ende 2026 fertig werden. Genau zur falschen Zeit. Viele wetten schon jetzt: Das Ding wird kein Erfolg, sondern ein riesiges, teures Mahnmal für eine Stadt, die ihre eigene Realität komplett verpennt hat. Viele kennen diese Stelle, da dort das „Theater am Kurfürstendamm“ mit Harald Juhnke mehr als beliebt war.
Kauflust ja – sich leisten können: nein.
Die gedrückte Stimmung in Deutschland hat handfeste Gründe: Inflation, unsichere Jobs und hinter allem eine fatale Energiepolitik. Leere Ladenlokale haben einen handfesten Grund und der liegt nur drei Kilometer westlich der Friedrichstraße im Kanzleramt. Eine Regierung, die es nicht mehr schafft, Investoren anzulocken, weil sich Investitionen nicht mehr rechnen. Ausländische Investitionsprojekte sind 2025 auf den niedrigsten Stand seit 2009 abgestürzt. Die Firmeninsolvenzen explodieren: Im März 2026 lagen sie 71 Prozent über dem Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019.
Wie man in der DDR sagte: „Der Letzte macht das Licht aus.“
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